Andromeda hat geschrieben:
Ich denke, wenn du nach der aktuellen Sichtweise auf RIII suchst, die RA dann wohl verfilmen möchte, bist du bei der RIII Society daher am besten aufgehoben.
Sehr gut zu lesen und auch auf Deutsch erschienen ist die RIII-Biographie von Paul M. Kendall: Richard III. - König von England - Mythos und Wirklichkeit. Damit liegst du auf jeden Fall richtig! :daumen:
Andromeda, schön gesagt, und in viel weniger Worten, als ich es kann.

Die Seiten der RichardIII Society mit ihren verschiedenen Gruppen sind äußerst umfangreich und über Jahrzehnte und von vielen belesenen Leuten zusammengestellt. Die meisten Fragen, auf die man so kommt, wurden dort bereits sorgfältig erforscht und beantwortet. Es lohnt sich, sich da durchzuarbeiten. In diesem Falle, Amejoa, ist das Internetwissen nicht schlechter als das Bücherwissen.
amejoa hat geschrieben:
Hmpf?
Nun mal an alle Zweifler? Größe hin oder her, zu alt hin oder her -
So wie "ich" RA in entsprechenden Interviews verstanden habe, geht es ihm darum, die Geschichte von R III "anders" (d.h. richtig) als bisher darzustellen (oder nur zu produzieren? Ich glaube nicht, dass er sich so eine Bösewicht-Rolle entgehen lassen würde, zumal sie eben zwiespältig und vielleicht gar nicht böse ist?) - die Darstellungen bisher beruhen meist auf den Texten von Shakespeare - was geschichtlich belegt und bewiesen, durchaus verfälscht sein kann, durch das Haus Tudor.
Recht sicher ist aber auch seine Liebe.
Zu Anne Neville, seiner Frau. Trotz aller politischen Schachzüge und Querelen. Sie ist recht früh gestorben - und habe ich mich verlesen - oder hat er sich geweigert, danach noch einmal zu heiraten? (Man bedenke bitte die Zeit! Ein paar Jahre später wurde man geköpft, oder anderweitig aus dem Weg geschafft, wenn man keinen Tronfolger gebären konnte)
(Dicken Dank auch an afirthionado! Und wieviele von den gelesenen Büchern verleihst Du vielleicht mal an mich? Ich oute mich: Mein Wissen ist reines Internetlesen-Wissen, auf Papier habe ich erst mit den Tudors angefangen

)
Fakt ist aber, das die Tudor-Herrschaft, ich meine Tronübernahme, direkt auf Richard III gefolgt hat und keinerlei Mittel gescheut wurden, Vergangenes schlechter als Schlecht zu machen! Das ist heute geschichtlich verbürgt. (Gemälde wurden verändert, Schriften unleserlich gemacht, etc.)
Leider gibt es, was englische Geschichte betrifft, wenig Material in Deutsch, was auch autentisch ist. Und ich gestehe zu meiner Schande: Ich bekomme es zeitlich nicht mehr hin, mich mit meinem Englisch durch alte originalsprachige Texte zu wuseln...
Daher: Einen ganz ganz lieben Gruß an afirthionado!!!!!
Mehr, mehr mehr an Info!
LG
Chris
Hallo Chris,
wie schon von Andromeda geschrieben, würde auch ich Dich für kompaktes Wissen an die RIII Society verweisen.
Und ausser Paul M. Kendall empfehle ich Jeremy Potter und Bertram Fields. Beide gut zu lesen, und nicht so teuer. Und pro-Ricardian. Viele der neueren Werke sind sehr kritisch bis feindlich, und/oder sehr spezialisiert, soweit ich das bisher beurteilen kann.
Eine Rarität, das Bühnenstück "Dickon" von Gordon Daviot (=Josephine Tey) habe ich als pdf eingescannt (~20MB!). Bei Interesse und leistungsfähiger Internetleitung: PM.
http://www.r3.org/fiction/mysteries/tey_butler.html
Zum Thema "Die Wahrheit über RIII": die werden wir nie erfahren. Die Quellenlage ist einfach zu lückenhaft. Es bleibt viel Raum für Spekulation.
So die Liebe zu Anne Neville. Es gibt keinen ausgesprochenen Hinweis oder Beweis, daß er sie geliebt hat, oder daß es eine romantisch geprägte Liebesbeziehung war. Aber das Gegenteil ist genauso wenig belegt. Daher finde ich es völlig legitim, die Wissenslücken nach eigener Vorstellung zu interpretieren, so wie man es als plausibel empfindet. Ich finde daher die Romane zum Thema sehr hilfreich, vorausgesetzt, sie halten sich an die gesicherten Fakten.
Ich bin gerade dabei, mich mit dem Thema näher auseinanderzusetzen. Es ist alles nicht so einfach.
Beispiel:
Anne war eine reiche Erbin, zusammen mit ihrer Schwester Isabel. Im Prinzip. Aber
a) das gesamte Vermögen Warwicks wurde nach seinem Verrat und Tod eingezogen, war also nicht mehr ihr Erbe.
b) als Witwe war sie praktisch rechtlos (auch so ein Thema! Da schlummern Abgründe), und ihr Schwager George of Clarence war ihr Vormund! Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Dann gab es noch das Vermögen der Mutter, die nun natürlich auch Witwe war, deren Vermögen umstrittenerweise ebenfalls den Schwiegersöhnen zufiel. Sie lebte später mit in Middleham.
Jedenfalls "beerbten" die beiden Schwiegersöhne Warwick auf vielfache Weise. Richard trat quasi in die Fußstapfen Warwicks als "Lord of the North", und die Heirat mit dessen Tocher Anne Neville untermauerte das. Also war es c) auch politisch eine sehr gelungene Verbindung.
Bin noch dabei, die späteren Jahre zu eruieren - der Zeitraum um Anne Nevilles Tod und die angeblichen oder tatsächlichen Heiratsabsichten RIII in Bezug auf Edwards Tochter Elisabeth of York. Alles etwas mysteriös.
Mein genereller Eindruck jener Zeiten ist, daß man mächtig herumeierte zwischen der durchaus eingeschränkten Befehlsgewalt des Königs, der politischen Machbarkeit angesichts mächtiger lokaler Lords, Erbstreitigkeiten und juristischen Ansprüchen und Legalisierungen. Letztere nehmen einen erstaunlich großen Teil der ganzen Historie in Anspruch.
So, jetzt muß ich aber erstmal schauen, was es so an Screenshots und downloads vom neuesten RH gibt.