Maike hat geschrieben:
Fjella hat geschrieben:
Was ich auch merkwürdig fand, war, dass die Ärzte manchmal wirklich so langsam waren, bekommen einen Notruf, und marschieren erstmal ganz gediegen langsam zum Hubschruaber oder so, das ist mir öfter mal aufgefallen. Oder es liegt ein Schwerverletzter vor ihnen, und sie fragen ganz langsam und tuhig erstmal nach dem Namen und machen alles so langsam. Da bin ich von ER deutlich mehr Hektik und Schnelligkeit gewöhnt...
Soviel Erfahrung habe ich mit Notärzten zum Glück nicht und mit Rettungshubschraubern schon gar nicht, aber ich glaube, es ist ziemlich normal, daß die Ärzte und Sanitäter absolut die Ruhe weg haben und sich soviel Zeit lassen, daß man als Patient oder Angehöriger wahnsinnig wird. Ehe die nicht die Krankenkassekarte in Händen haben passiert erstmal gar nichts. Und eigentlich ist das auch die einzig richtige Methode, mit aufgeregten Hühnern umzugehen.
Andererseits geht es bei TGH ja um Leben und Tod und nicht um Verletzungen, die schlimmer aussehen, als sie sind. Aber ist RA nicht mit den echten Rettungstypen mitgeflogen um deren Arbeitsweise zu studieren ? Vielleicht entspricht die Hektik bei ER weniger der Realität den dem Klischee ?
Also Notärzte kenne ich keine, aber ein Freund ist Intensivpfleger und die haben schon die Ruhe weg. Kennzeichen einer guten Krankenschwester (und wahrscheinlich auch eines Arztes) ist, in extremen Krisensituationen nicht in Panik zu verfallen und außerdem auf die (sowieso in Panik befindliche) Umwelt beruhigend einzuwirken. Abgesehen davon wirken Ärzte in Panik oder Hektik selten vertrauenerweckend...
Soviel ich weiß haben die ganzen trivialen Fragen nach Namen und so weiter einen guten Grund - solange Opfer unter Schock reden und sich an Sachen wie ihren Namen erinnern können, ist die Gefahr, daß sie ins Koma fallen, geringer. Traumapatienten sollte man immer am Reden halten, dann müssen sie sich konzentrieren und werden nicht so leicht bewußtlos.
Ja, Richard hat erzählt, daß er das echte HEMS-Team begleitet hat, also sollte er wohl wissen, wie es abläuft. Ich glaube aber, die Intention von HEMS ist auch eine andere als die der Ärzte, die in ER dargestellt werden. HEMS soll ja in erster Linie dazu dienen, die Patienten in der ersten Stunde nach einem schweren Unfall direkt vor Ort soweit zu versorgen, daß sie stabilisiert und ins Krankenhaus gebracht werden können. Wenn die Ärzte von ER ihre Patienten bekommen, ist ja meist schon ein guter Teil dieser wichtigen Stunde verstrichen und sie müssen ja auch schon mit der Behandlung beginnen. Außerdem verfallen die ja auch nicht immer in Hektik.
In Amerika ist der ganze Aufbau der Medizin halt auch ein anderer. Ich habe das Buch von Michael Crichton gelesen, das ER ursprünglich zugrunde lag: Fünf Patienten. Er ist ja selbst Arzt und hat das Buch damals eigentlich geschrieben und sich auch sonst dafür eingesetzt, damit in den USA so etwas wie Notfallmedizin überhaupt aufgebaut wird und Ärzte zu Traumatologen ausgebildet werden.