04.02.2015, 15:05
doris-anglophil hat geschrieben:https://www.facebook.com/notes/doris-schneider-coutandin/kritik-the-crucible/862055260502610?pnref=story
Ich stelle es auch hier ein, falls gewünscht. Natürlich zwinge ich niemanden Facebook beizutreten, doch für mich ist es so das Einfachste und hat sich auch bereits eingebürgert, dass meine Kritiken dort und in dieser Form erscheinen. Ich möchte einfach keine weiteren Baustellen eröffnen, doch hierfür würde ich dann doch eine Ausnahme machen.
Kannst mir aber auch eine PN schicken 04.02.2015, 15:05
04.02.2015, 15:20
Anne008 hat geschrieben:doris-anglophil hat geschrieben:https://www.facebook.com/notes/doris-schneider-coutandin/kritik-the-crucible/862055260502610?pnref=story
Ich stelle es auch hier ein, falls gewünscht. .
Ich würde es gerne lesen!Kannst mir aber auch eine PN schicken
04.02.2015, 15:23
04.02.2015, 15:44
Kritik "The Crucible" (Hexenjagd) von Arthur Miller, gesehen am 3. Februar 2015 auf Kinoleinwand in der gefilmten Version des Old Vic London von Digital Theatre
Ich schicke voraus, dass Arthur Miller nicht zu meinen favorisierten Autoren gehört. Ich habe mich selbst einmal an eine Inszenierung eines seiner Stücke versuchsweise herangewagt und nach einer Weile vergeblichen Bemühens das Buch dazu entnervt in die Ecke gepfeffert. Wer es dennoch wagt, hat auf alle Fälle meinen sehr großen Respekt.
Zunächst einmal kann natürlich niemand außer dem depperten Kino etwas dafür, dass man die ersten drei, vier Minuten bei voller Saalbeleuchtung schauen musste, bevor es jemand in der Leitzentrale merkte und das Licht runterfuhr. Es trübte die ersten Eindrücke dennoch.
Ähnlich doof zu ging es beim Ton, der anfangs nahezu unverständlich und sehr leise war, ein Umstand, der sich im Lauf von gut dreieinhalb Stunden bedauerlicherweise nur unwesentlich änderte. Schade.
Das Stück bleibt beim Betrachten auf Kinoleinwand dem Zuschauer seltsam entrückt, was es ganz sicher live vor Ort im Old Vic nicht gewesen ist. Das empfinde ich als den großen Nachteil dieser Version. Gerade die Auflösung der klassischen Aufteilung Bühne/Zuschauerraum kommt hier nicht mehr zum Tragen. Es ist und bleibt in dieser Form eine Distanz, die man eben gerade durch diese Art der Inszenierung live teils aufgeweicht hatte. Prinzipiell gelang im Old Vic eigentlich ein Transparent-Machen der vierten Wand, die trotzdem aber vorhanden war und zwar genau genommen sogar deutlicher als in der klassischen Spielweise. Die Darsteller durchbrechen sie überraschender Weise nämlich so gut wie nie, obwohl das die Raumaufteilung zunächst vermuten lässt. Dadurch war es möglich, trotz der unmittelbaren Nähe der Zuschauer gleichzeitig deren große Ferne zu kreieren. Dies nennt man die Wirkung von Paradoxien. Dieses geniale Konzept geht in der Kinofassung dann natürlich nicht mehr auf.
Das Stück ist um etwa eine halbe Stunde zu lang. Es gäbe Möglichkeiten der Kürzung, ohne Frage, und ich könnte sie aufzeigen. Manchmal muss man einfach wagen, das eine oder andere noch weg zu kürzen; den Mut dazu aufzubringen, ist zugegeben schwer. Es gehört zu meinem Beruf und ich weiß, wie viel Überwindung es kostet. Ich selbst habe mich gestern beim Gähnen erwischt, nicht weil es nicht fesselnd oder gar öde gewesen wäre, nein, einfach aus einer gewissen Langatmigkeit heraus, die man durchaus hätte vermeiden können. Von acht bis kurz vor zwölf da zu hocken, ist schon ein wenig zu viel des Guten. Hier war’s sogar mit nur zehn Minuten Pause, die gewiss im Old Vic noch ein gutes Stück länger gewesen sein dürfte.
Wenn permanent geschrien wird, nutzt sich das mit der Zeit ab und man stumpft ab dagegen. Ich (und diesen Eindruck hatte auch meine Begleitung) empfand es als überzogen und als das viel zu oft genutzte Mittel des Ausdrucks. Vielleicht trug das auch dazu bei, dass alles sehr vorhersehbar war und sich mehr oder weniger ständig auf einem Schrei-Niveau bewegte, von dem man einfach nicht mehr herunterkam. Überraschender und subtiler wären dann und wann die leisen Töne gewesen, die etwas erzeugt hätten, was unvermutet, unverhofft und aufgrund dessen eindringlicher gewesen wäre. Davon abgesehen ist es selbst für die geschulteste, ausgebildetste Stimme nicht sonderlich zuträglich.
Verständlich, also bestens akzentuiert und dezidiert in ihrer Sprache, waren eigentlich alle Akteure. Am meisten Probleme bereiteten mir Mr. Parris (Michael Thomas) und – tja – Mr. Proctor (Richard Armitage). Ersterer hatte anfänglich ein gewisses Nuscheln an sich und letzterer setzte zu sehr auf das tiefe, kehlige Timbre seiner Stimme, so dass er Frequenzbereiche, die das gefällige Hören ermöglichen, nicht ganz erreichte und bedienen konnte. Außerdem – aber damit war zu rechnen – gingen auch bei anderen einige Dialoge, die mit starkem Weinen einhergingen, zu Lasten der Verständlichkeit und das alles unabhängig vom grottigen Kinoton.
Was für mich unersichtlich bleibt, ist die Einordenbarkeit dieser Inszenierung. In welcher Zeit spielt es? Wirklich Ende des 17. Jahrhunderts? Dann sind Kostüme und Requisiten nicht ganz stimmig. Zeitgenössisch? Wohl kaum. Damit viele der gezeigten Elemente für mich wirksam sein können, muss ich sie einordnen können und das konnte ich leider nicht.
Dazu gehört z.B. dass Illusionen durch die moderne Frisur - vor allem Schnitt und Strähnchen! - von Elizabeth Proctor (Anna Madeley), wenn ihre Haube abgezogen wird, vollkommen zerstört werden. Das müsste nicht sein, finde ich. Es wird auf so viele Details Wert gelegt, die das Ganze ziemlich rund und schlüssig machen, dass ich echt nicht verstehen kann, wie man das dann vernachlässigen oder nicht bemerken kann. Sorry, für mich ein no go.
Die viel gerühmte, oft genannte Waschszene ist ein ähnliches Beispiel. Weswegen platziert man die Waschschüssel auf dem Boden? Völlig widernatürlich. Eigentlich steht eine Waschschüssel auf einem Tisch oder ähnlichem Mobiliar (nicht zuletzt deshalb gemeinhin „Waschtisch“ genannt). Ich konnte absolut nicht nachvollziehen, weswegen ein hart arbeitender Mann sich zum Waschen auf den Fußboden begeben musste. Großes Fragezeichen in meinem Gesicht.
Andere Dinge, weitere Anachronismen oder Continuity-Fehler z.B., lasse ich nun mal außen vor, ebenso wie ich das aufgeklebte Kabel an Richard Armitages Nacken und Hals nicht einzuordnen wusste. Solche Kabel tragen Schauspieler eigentlich zur Funk-Ton-Übertragung. Welchem Zweck es in diesem Fall diente, konnte ich aber nicht eruieren.
Die Ensembleleistung ist geradezu außerordentlich, ich kann keine großartigen Ausreißer nach unten ausmachen, jeder gibt vor allem physisch alles, holt buchstäblich das Letzte aus sich heraus. Das ist nur mit gut ausgebildeten Leuten möglich. Ich würde keinem Amateur empfehlen, sich da heranzuwagen, denn das würde gehörig in die Hose gehen. Es ist sehr viel schwerer zu spielen als die meisten Shakespeare-Dramen. Jeder aus diesem Cast hat meinen tiefsten Respekt und ich verbeuge mich vor der großen Leistung aller Darsteller.
Seltsamerweise hatte ich einige wenige Male, nicht einmal für Sekunden, den Eindruck, dass Armitage Theater spielt. An was es lag – spekulativ, doch siehe gegebenenfalls nächsten Absatz.
Für seine Rückkehr auf die Bühne nach Jahren bei Film und Fernsehen hätte es unter Umständen auch eine etwas einfachere Rolle getan. Nicht, dass er sich an John Proctor verhoben hätte, das gewiss nicht, aber so manches Mal beschlich mich das Gefühl, dass er einfach zu viel hineinlegte, fast schon zwanghaft eine große Leistung abliefern wollte und das drang zu mir durch. Er machte sich selbst Druck und das spürte ich. Es könnte der Grund sein, weswegen ausgerechnet er es war, der für Bruchteile von Sekunden, kaum merkbar wahrscheinlich, ooc fiel. Für mich war dies die überraschendste Erkenntnis des Abends.
Es werden keine fünf Sterne. Dafür fand ich doch zu viele Ungereimtheiten. Vier sind’s.
04.02.2015, 20:35
Der Film ist einfach kein Ersatz für die Aufführung - kann es auch nicht sein, denn die Inszenierung ist als Theateraufführung unter besonderen Bedingungen gemacht, nicht als Film.
Für diejenigen, die das Stück gesehen haben, ist der Film nichtsdestotrotz eine wunderbare Ergänzung, da er Details und Perspektiven bietet, die nicht jeder von seinem Platz aus sehen konnte. Und indem Erinnerungen aufgerufen werden, ist man schnell wieder mitten hinein gezogen und ergriffen und die Schwächen, die die neue Form haben mag, werden dadurch ausgeglichen bis unsichtbar: Durch die Präsentation kann man sich keinen so unabhängig-individuellen Gesamteindruck verschaffen, wie im Theater, und interessante Details, denen man seine Aufmerksamkeit vielleicht widmen würde, bleiben einem durch die Regieauswahl verschlossen.04.02.2015, 20:43
04.02.2015, 20:47
doris-anglophil hat geschrieben:Genau der beabsichtigte Punkt, vermute ich mal.
04.02.2015, 21:11
04.02.2015, 21:33
04.02.2015, 22:22
04.02.2015, 22:31
Nimue hat geschrieben:Allerdings finde ich sowieso, dass das " larger than life" -Spiel, das etwas Überzogene, gerade das Typische am Medium Theater ist, was die Schauspieler im Grunde auch abliefern müssen, um wirklich jeden im Publikum erreichen zu können.
04.02.2015, 23:16
05.02.2015, 13:32
06.02.2015, 16:04
im Cinema in München gesehen und möchte auch gerne noch ein paar Gedanken loswerden bzw. auf ein paar Punkte eingehen. Eine kurze Info: Die Theaterinszenierung am Old Vic habe ich insgesamt dreimal gesehen, zweimal aus der "Vogelperspektive" von den oberen Rängen aus, einmal ganz vorne in den Stalls sitzend. Die Vorstellung, die ich am 09. September in der ersten Reihe erleben durfte, wurde von Digital Theatre aufgezeichnet. Einen Eins-zu-Eins-Vergleich meiner Eindrücke in Theater und Kino kann ich natürlich dennoch nicht bieten, denn für die Kinoversion wurde definitiv Material aus mehreren Aufführungen verwendet.
Laudine hat geschrieben:Der Film ist einfach kein Ersatz für die Aufführung - kann es auch nicht sein, denn die Inszenierung ist als Theateraufführung unter besonderen Bedingungen gemacht, nicht als Film.![]()
Laudine hat geschrieben:Durch die Präsentation kann man sich keinen so unabhängig-individuellen Gesamteindruck verschaffen, wie im Theater, und interessante Details, denen man seine Aufmerksamkeit vielleicht widmen würde, bleiben einem durch die Regieauswahl verschlossen.
Im Theater kannst Du Deine Blicke schweifen lassen, Dich bewusst einmal nicht auf die gerade sprechenden Akteure konzentrieren, sondern beispielsweise eine Person am Rand in Augenschein nehmen, Dich ein wenig zurückziehen, wenn Du das möchtest...doris-anglophil hat geschrieben:Wenn permanent geschrien wird, nutzt sich das mit der Zeit ab und man stumpft ab dagegen. Ich (und diesen Eindruck hatte auch meine Begleitung) empfand es als überzogen und als das viel zu oft genutzte Mittel des Ausdrucks. Vielleicht trug das auch dazu bei, dass alles sehr vorhersehbar war und sich mehr oder weniger ständig auf einem Schrei-Niveau bewegte, von dem man einfach nicht mehr herunterkam.
aikota hat geschrieben:Was die Schrei-Szenen angeht, mag es sein, dass sie in der abgefilmten Version deutlicher und länger wirken.
kristin hat geschrieben:Im Ganzen empfand ich das Stück auf der Leinwand etwas hektischer und schreilastiger als im Theater. Da war dafür einfach mehr Platz, dass sich das alles ein bisschen verteilen konnte.
Laudine hat geschrieben:Während durch die Bewegung im Raum die Lautstärke für das Auditorium vor Ort automatisch variiert, wurde sie durch die Tonaufzeichnung mit dem Mikrofon statischer.
Eine Meisterin der leisen Töne war meines Erachtens Elizabeth. Abgesehen davon möchte ich noch anmerken, dass das Spiel des Ensembles natürlich je nach "Tagesform" variierte. Es wurde also nicht immer gleich viel geschrien.doris-anglophil hat geschrieben:Überraschender und subtiler wären dann und wann die leisen Töne gewesen, die etwas erzeugt hätten, was unvermutet, unverhofft und aufgrund dessen eindringlicher gewesen wäre.
Ich erinnere mich zum Beispiel, dass Richard das "God damns our kind especially" in "unserer" Vorführung am 09. September deutlich ruhiger und resignierter aussprach als in der von DT verwendeten Szene. Mr. Parris hatte eine etwas feucht-verwaschene Aussprache. Richard hingegen habe ich sehr gut verstanden. Am meisten Probleme hinsichtlich seiner Verständlichkeit bereitete mir Giles Corey.doris-anglophil hat geschrieben:Verständlich, also bestens akzentuiert und dezidiert in ihrer Sprache, waren eigentlich alle Akteure. Am meisten Probleme bereiteten mir Mr. Parris (Michael Thomas) und – tja – Mr. Proctor (Richard Armitage). Ersterer hatte anfänglich ein gewisses Nuscheln an sich und letzterer setzte zu sehr auf das tiefe, kehlige Timbre seiner Stimme, so dass er Frequenzbereiche, die das gefällige Hören ermöglichen, nicht ganz erreichte und bedienen konnte.
Da sind die Geschmäcker verschieden. Für eine Freundin, die ebenfalls mit im Kino war, zog sich gerade der Anfang zu lange hin. Ich dagegen möchte eigentlich keine Minute davon missen...doris-anglophil hat geschrieben:Das Stück ist um etwa eine halbe Stunde zu lang. Es gäbe Möglichkeiten der Kürzung, ohne Frage, und ich könnte sie aufzeigen. Manchmal muss man einfach wagen, das eine oder andere noch weg zu kürzen; den Mut dazu aufzubringen, ist zugegeben schwer. Es gehört zu meinem Beruf und ich weiß, wie viel Überwindung es kostet. Ich selbst habe mich gestern beim Gähnen erwischt, nicht weil es nicht fesselnd oder gar öde gewesen wäre, nein, einfach aus einer gewissen Langatmigkeit heraus, die man durchaus hätte vermeiden können.
Zwar verständlich, aber dennoch schade, dass dieser Eindruck entstanden ist. Mich hat die Kinoversion zwar wieder bewegt, allerdings doch weniger als im Theater. Ich wünschte, Du hättest das Stück im Old Vic sehen können, Doris. Für Distanz blieb kaum Raum, die Inszenierung sprang Dich an und ließ Dich nicht aus ihren Klauen.doris-anglophil hat geschrieben:Das Stück bleibt beim Betrachten auf Kinoleinwand dem Zuschauer seltsam entrückt, was es ganz sicher live vor Ort im Old Vic nicht gewesen ist. Das empfinde ich als den großen Nachteil dieser Version.
Doch nun zurück zur Vorstellung am Dienstag: Sie war... unglaublich gut.![]()
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Die Emotionen in den Gesichtern der Akteure haben mich völlig in Bann gezogen! Das Mienenspiel, die Schweißtropfen, die Blicke, die Tränen! Und so nah am Geschehen, dass Tituba fast über unsere Füße stolpert, Mary Warren vor uns kauert, man John Proctor berühren könnte, wenn man nur den Arm ausstrecken würde...
Wir zucken zusammen, wenn Richter Danforth plötzlich losbrüllt, Proctor auf den Tisch drischt oder Abigail & die Mädchen bei Gericht ihre Show abziehen... Zuckende Leiber vor uns, ein Geschrei, ein Chaos, das man selbst ganz
wird.
Seine körperliche Präsenz hat eine Qualität, die in der Aufzeichnung deutlich weniger zutage tritt als im Theater. Besonders fiel mir der Unterschied bei der Szene auf, in der wir John Proctor nach Monaten im Gefängnis wiedersehen. Im Theater brach mir Richards Auftritt jedes Mal aufs Neue das Herz. Vorher hatte sein Proctor die Bühne häufig mit seiner physischen Präsenz beherrscht - ein Bär von einem Mann, voller Kraft, in der Interaktion mit Parris und Putnam gelegentlich sogar bedrohlich. Und dann der absolute Kontrast, wenn er Elizabeth im Gefängnis trifft. Ein Schatten seiner selbst, so schwach und zerbrechlich, dass man darüber weinen möchte, was diesem Mann angetan wurde.kristin hat geschrieben:Richards Ganzkörperpräsenz hat ein bisschen gefehlt, die bildet für mich ja, gemeinsam mit seiner Stimme, seine große Stärke.
Und zugleich gibt es diesen Blick zwischen Proctor und Elizabeth, eine ungeheuer starke Verbindung. Nur der jeweils andere existiert in diesem Moment, alles andere verblasst zur Bedeutungslosigkeit.
aikota hat geschrieben:Ich stimme zu, dass RA manchmal etwas zu bemüht erschien. An einigen Stellen seiner Monologe sprach er mir mit zu viel Pathos (in der Stimme), und damit haben wir Deutschen ja nun echt ein Problem. Pathos ist für mich ein no-go im Theater, aber das hängt natürlich mit unserer schlimmen Nazi-Vergangenheit zusammen - die Briten gehen mit Pathos relativ unbekümmert um. Aber natürlich wirkt es dann trotzdem etwas "gespielt".
doris-anglophil hat geschrieben:Seltsamerweise hatte ich einige wenige Male, nicht einmal für Sekunden, den Eindruck, dass Armitage Theater spielt. An was es lag – spekulativ, doch siehe gegebenenfalls nächsten Absatz.
Für seine Rückkehr auf die Bühne nach Jahren bei Film und Fernsehen hätte es unter Umständen auch eine etwas einfachere Rolle getan. Nicht, dass er sich an John Proctor verhoben hätte, das gewiss nicht, aber so manches Mal beschlich mich das Gefühl, dass er einfach zu viel hineinlegte, fast schon zwanghaft eine große Leistung abliefern wollte und das drang zu mir durch. Er machte sich selbst Druck und das spürte ich. Es könnte der Grund sein, weswegen ausgerechnet er es war, der für Bruchteile von Sekunden, kaum merkbar wahrscheinlich, ooc fiel. Für mich war dies die überraschendste Erkenntnis des Abends.
Am intensivsten aber fand ich die Szenen mit seiner Frau und die letzten Momente, als er zunächst "gesteht" und schließlich das geschriebene Geständnis doch zerreißt. Für mich waren diese Momente kaum zu ertragen. Das Ringen mit sich selbst, die inneren Qualen, die Proctor/Richard erlebt... sie zerreißen ihn förmlich.![]()
Wie unglaublich anstrengend es sein muss, jeden Tag wieder diesen emotionalen Gewaltakt zu unternehmen... Ich kann nun auch besser nachvollziehen, was Richard in der Fragerunde im Old Vic gesagt hat. Dass er sich übergeben musste, dass er zitterte etc. Gerade in diesen intensiven Momenten habe ich keinen Schauspieler gesehen, der Gefühle vorgibt. Der Mann dort WAR John Proctor, mit Leib und Seele.
Es stimmt mich ein wenig traurig, dass gerade Richard Euch nicht zu 100% überzeugt hat und wüsste zu gerne, ob Euer Eindruck ähnlich gewesen wäre, wenn Ihr die Inszenierung live im Old Vic gesehen hättet. 06.02.2015, 18:42
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