Maike hat geschrieben:
Nachdem ich es hab etwas sacken lassen: Der Gesang hat mich zuerst enttäuscht, vor allem weil es mehr ein Sprechgesang ist, als das, was ich mir unter Gesang vorstelle. Aber es ist schon stimmungsvoll und passend und ist der Teil des Trailers, der am meisten unter die Haut geht. Nicht albern oder peinlich, wie befürchtet. Dass Richard singen können muss, wussten wir, darum ist es keine Offenbarung religiösen Ausmaßes für mich, ihn singen zu hören.

Mal sehen, vielleicht wird Thorin&Cos Misty Mountains noch das Äquivalent zu Celine Dions Titanic Hymne.

So unterschiedlich ist das, Maike. Mir gefiel die Reduktion von Melodie und Modulation von Anfang an, weil es zu meinem Bild von TH und LotR passt. Dazu muss ich aber ein paar Sätze mehr sagen. Da TH und LotR in den Bereich der Mittelalterrezeption fällt, weil sich der Oxforder Englisch-Professor ja seine Welt inspiriert durch die Literatur der germanischen Vorzeit und die mittelalterliche Literatur selbst erdacht hat, begegne ich ihm häufiger, obwohl ich privat keine Fantasy-Leserin bin. Und da ich weiß, womit er sich wissenschaftlich beschäftigt hat (z.B. Beowulf), erwarte ich für die Lieder eine musikalische Umsetzung, die dieser Welt entspricht. Und das ist meines Erachtens gut gelungen. Geschüttelt hätte ich mich bei einer sehr modernen, einer albernen oder auch einer spielmannsmäßigen Umsetzung a la Mittelaltermarkt, aber das Hymnische, das Einige hier nicht zu Unrecht an Gregorianik erinnert hat, ist passend – und alle biographisch orientierten Interpreten Tolkiens, von denen es nicht wenige gibt, würden jetzt auf die wichtige Rolle des Katholizismus im Werk Tolkiens hinweisen, dem man damit auch noch gerecht wird.
Maike hat geschrieben:
Ein Problem hab ich mit der Optik und das hatte ich schon bei LOTR. Alles ist überhöht und sieht unecht aus, während ich einen naturalistischen Look vorziehe. Bei LOTR hab ich mich daran gewöhnt, nachdem ich in der Handlung drin war. Ich muss eben akzeptieren, dass Teile von Mittelerde eben nicht aussehen, wie auf der Erde. "Psychedelisch" war der Ausdruck, den jemand bei TORN dafür hatte.
Tja, Mittelerde bleibt eben Mittelerde.
Maike hat geschrieben:
Klar geht es nicht um Leben und Tod und den Kampf gut gegen böse wie bei LOTR, aber man muss das Publikum dazu bringen, dass ihnen das Anliegen der Zwerge mindestens ebenso wichtig ist.
Das Buch ist aus Bilbos Sicht, und für ihn ist es in erster Linie eine Aneinanderreihung von Abenteuern, aber er selbst hat kein echtes Ziel, außer irgendwann heil wieder nach Hause zu kommen. Das ist in meinen Augen eine der Schwächen des Buches und das kann man nur ändern, indem man mehr Fokus auf Thorin,
und seinen brennenden Wunsch, seine Heimat zurück zu erobern und sich an Smaug zu rächen, legt.
Das ist bei mittelalterlichen Artusrittern auch so, außer das sie nicht nach Hause wollen, sondern Ehre erwerben. Insofern verspricht auch der Trailer ganz vorbildgerecht Aventiuren.
Nietzsche hat geschrieben:
In dem Trailer klingt er sehr nach Baß, aber es klingt nicht künstlich abgedunkelt oder hinuntergedrückt. In Clarissa war er mehr Bariton. Ich würde sagen, er ist ein Baßbariton, eine Stimmlage, für die es in der Opernliteratur sehr interessante Rollen gibt.

Nach Thorin als nächstes Wotan?

Oder hattest Du eher an Mozart gedacht, Nietzsche? Zum Vergleichshören bin ich jetzt bei Thomas Quasthoff gelandet. Wozu einen dieses Board hier so animiert.
Maike hat geschrieben:
Was wir am Ende gucken ist ja nicht der Punkt, sondern dass Mr. Armitage ohne die Magie seiner Stimme auskommen muss, um das deutsche Publikum zu gewinnen. Der ganz überwiegende Teil der Kinovorführungen wird ja wohl auf Deutsch sein und den meisten Kinogängern fällt gar nicht ein, sich eine Version mit Untertiteln anzutun. Viellicht kriegt er wieder die Stimme von Aragorn, obwohl das wäre wohl etwas irritierend.
Nun ja, erst einmal gilt es, den englischsprachigen Raum richtig zu erobern, und das Synchronisationsproblem betrifft alle nicht-deutschsprachigen Filme und Schauspieler. Es ist wohl mehr unser Problem, weil wir eine große Affinität zu seiner Stimme haben.