Ich denke, über die Motive für RA's Entscheidung, diese Rolle anzunehmen lässt sich genauso kontrovers ins Blaue diskutieren wie über die Serie an sich. Eines wie das andere führt doch im Grunde zu keinem Ergebnis. Für RA mögen viele Faktoren im Spiel gewesen sein - vielleicht ein willkommener Versuch zum Imagewechsel, der Anerkennung beim männlichen Publikum, aber ebenso mögen es auch ganz banale Motivationen wie ein Rollenangebot in wirtschaftlich unruhigen Zeiten gewesen sein. Speculations, wir werden es wohl nie erfahren.
Im Falle der Serie kann man sich ähnlich die Köpfe heißdiskutieren, ohne dass man zu diesem Zeitpunkt bereits ein richtiges Urteil fällen kann, das ohnehin bei jedem einzelnen unterschiedlich ausfallen wird. Ich persönlich muss nach drei Jahren Boardzugehörigkeit und Quälerei durch RH feststellen, dass ich einfach nicht mehr in der Phase der Euphorie/Begeisterung bin, um mir hocherfreut jeden kleinsten Schnipsel anzuschauen, in dem RA auch nur vorkommt. Oder voller Optimismus denke, dass alles, was RA sich an Rollen ausgesucht hat, bestimmt von gewisser Qualität sein muss. Es ist vielleicht eine Spur von Ernüchterung eingezogen, die wohl jeden irgendwann mal einholt, der länger den Weg eines bestimmten Schauspielers verfolgt.
Nein, ich würde RA definitv nicht wünschen, dass er nur noch im Period-costume, dark and brooding über weite Wiesen etc. daherstapft. Das kann niemand wünschen, der einem Schauspieler Erfolg, Vielseitigkeit und vor allem auch Weiterentwicklung gönnt. Aber mir fehlt momentan in seinen Rollen in größerem Umfang das Element, das auch schon TB angesprochen hat und das für mich die Besonderheit von RA ausmacht, die Faszination, die er gleich beim ersten Film in mir auslöste - die Möglichkeit, jedem seiner Charaktere Tiefe einzuhauchen. Die Art, mit minimaler Mimik das Größtmögliche auszudrücken. Für kurze "Aufblitzer" dieses Könnens habe ich ihn in RH bewundert und geduldig alles andere über mich ergehen lassen. Dafür habe ich die erste Spooks-Staffel durchgeschaut und irgendwann in Staffel 8 feststellen müssen, das außer in ein oder zwei Folgen die Gelegenheiten zu solchen Momenten noch kürzer wurden. Und dass für mich alles andere das nicht mehr kompensieren konnte.
Ich wünschte mir so sehr, ihn endlich mal wieder in einem guten Drama zu sehen, das nicht die Attribute "high-octane drama", "action-packed series" und "effects of cinematic proportions" trägt, sondern voll und ganz den Fokus auf die tiefgreifende Auseinandersetzung mit seinen Darstellern richtet. Tut mir leid, aber genau das kann ich laut den Ankündigungen trotz versuchtem Optimusmus nicht sehen, wobei ich ganz klar sage, das so ein Urteil natürlich immer subjektiv ist. So finde es schön für RA, wenn diese Rolle genau seinen Vorstellungen und Wünschen entsprochen haben mag, aber ich werde dadurch mit Sicherheit nicht zu einer begeisterten Anhängerin von Kawumm-Actionfilmen bekehrt. Oder dazu, mir das Spektakel ihm zuliebe anzutun. Das schafft nicht einmal RA, auch nicht mit dieser ansprechenden Optik.
BTW - aber es ist doch genau diese Vielfalt der Meinungen an Board, die das Miteinander hier so interessant macht. Ja, wir sind ein kritisches Board, wir waren es schon immer, und es ist ist für mich geradezu wohltuend, dass man hier ungeachtet all der Schwärmerei und Sabberei auch mal solche Töne loswerden kann, die anderswo möglicherweise gar nicht gewagt werden auszusprechen. Das hat nichts mit Schwarz/Weiß-Färberei zu tun, sondern nur mit der Unterschiedlichkeit der vielen Charaktere hier an Board.