uiuiui....ihr habt hier ja heiße Diskussionen
Also, nachdem wir uns drauf geeinigt haben, dass hier jede ihre Meinung frei und offen sagen darf (worauf wir uns nicht hätten einigen müssen, das ist hier schon immer so...da sind glaub ich bei allen ein wenig die gefühle hochgekocht

), mach ich das nun auch.
Zuerst muss ich sagen, dass ich die letzten beiden staffeln Spooks nicht mehr so fanmäßig angeschaut habe wie ich es noch vor 2 Jahren gemacht hätte. Daran könnt ihr ruhig OH die Schuld geben
Auf jeden fall hatte für mich Lucas nie die bedeutung wie sie Guy oder JT hatte, weswegen ich natürlich die jetzige Staffel mit viel mehr emotionalem Abstand geschaut habe als viele von euch. und ich glaube, das macht das ganze leichter.
Ich fand die Staffel und ganz besonders die Finalfolge großartig!!!!!!! Ich bin restlos begeistert von der Charakterentwicklung, wie sich langsam alles aufgelöst hat und es dann zu diesem genialen Showdown kam. ich war völlig gepackt und ich empfinde es als logisch und folgerichtig und finde es absolut genial und toll.
Mich hat das alles ein bisschen an "Der talientierte Mr. Ripley" erinnert...oder auch an "Gollum", so komisch der Vergleich vielleicht ist
Ich glaube, dass es möglich ist, dass ein mensch seine Identität völlig verliert und vergisst und sich in eine andere reinsteigert und diese annimmt, sodass er sein wahres ich so weit verdrängt, dass er sich wirklich nicht mehr erinnert und nichts mehr mit dieser früheren persönlichkeit gemein hat. Dass ein mensch jahrelang, jahrzentelang, wirklich unwissend, so leben kann...bis dann ein Auslöser kommt, der alles auf den Kopf stellt.
ich finde auch Lucas heftige Reaktion bei Conni und sarah völlig nachvollziehbar...weil ganz unterbewusst etwas in ihm rebelliert und hochkommt...soweit unten im Unterbewusstsein, dass er dagegen ankämpft und gerade deswegen so heftig reagiert...für mich daher logisch.
Und in eminen Augen hat Vaughn und dann maya quasi dieses ganz versteckte Unterbewusstsein von Lucas gekitzelt. ich glaube, dass Lucas tatsächlich bis zu den letzten beiden Folgen geglaubt hat, fest davon überzeugt war, dass Vaughn die Bombe gelegt hat, dass Vaughn den echten Lucas ermordet hat...weil er sich das so lange eingeredet hat, dass er es selbst gegalubt hat. Aber plötzlich hat das für ihn nicht mehr funktioniert, sein echtes Unterbewusstsein ist aufgewacht, wie ein "Schläfer", wie bei einem Schizophrenen ein anderer Charakter...und aus Lucas wurde immer mehr John, dieses Lügengebäude ist immer mehr zusammengestürzt...was für ein traumatisches Erlebnis für Lucas...fand ich auch toll mit den vielen Rückblenden...die 2 Charaktere, John und Lucas, haben sich immer mehr vermischt...was ist echt? was real? was die Lüge, die Erfindung? ich glaube Lucas konnte das selbst nicht wirklich sagen, zum Schluss war er für mich wirklich beides, John UND Lucas in einem wilden Mischmasch. Bzw, anders formuliert (ei, ist das schwer und kompliziert

): Aus John war damals, vor langer, langer zeit Lucas geworden...und Lucas hat sich zu einem tollen Charakter entwickelt, ein Held, ein guter Mensch...und dieser gute Mensch musste sich plötzlich damit auseinander setzen, dass er sich selbst belogen und verarscht hat, dass er in der Vergangenheit, die er völlog ausgeblendet hat, schlimme Dinge getan hat, dass er damals kein guter Mensch war. Das muss man auch erstmal verarbeiten udn einen Weg finden, damit umzugehen.
Ich glaube nicht, dass dieser John den Schalter für Lucas ausgeknipst hat und jetzt alles vergessen war und John, der böse Killer und Lügner die Weltherrschaft an sich reißen wollte. Lucas verschwunden und stattdessen John da...Nein.Ich glaube, dass Lucas diese erschreckende Erkenntnis, wer er wirklich ist, was er getan hat, dass sein leben ein Fake ist...dass diese Erkenntnis Angst udn Scham ausgelöst hat udn er einfach nur weglaufen wollte. Er wollte, denke ich, ein neues Leben anfangen...mit maya, die eine Brücke war, die nichts von allem wusste. das war sein verzweifelter Fluchtversuch, er wollte weder der böse John sein, noch der gute Lucas...denn nichts von beidem war er mehr...beide hat er zerstört, die konnten nun nicht mehr existieren...
Das erklärt für mich sein ganzes Verhalten, sein verzweifelter Kampf, sein verhalten gegenüber Ruth...das war nicht hartherzig und böse...das war verzweifelt! Und Ruth hat das erkannt...und daher hat sie auch um ihn getrauert, hat ihn bemitleidet. Nochmal der blöde Vergleich zu Gollum: Der ist auch schizophren und regelrecht zwiegespalten...er ist nicht an für sich böse...und eine zeitlang gelingt es ihm ja auch, dass die gute Seite überwiegt und er Frodo hilft und er wieder aufblüht...aber die dunkle Seite, die eben auch in ihm steckt, gewinnt wieder die Oberhand, und er kämpft dagegen, aber verliert. Und trotzdem mag ich Gollum, leide mit ihm mit und würde ihm immer so gerne helfen.
Ähnlich erging es mit jetzt bei Lucas...
Ich varbscheue, was John getan hat, ich fand diese Rückblenden ganz furchtbar, da wurde mir jedesmal ganz schlecht...wie muss das dann erst für Lucas gewesen sein, als er diese Erinnerungen, diese Erkenntnis hatte, dass ER das getan hat? dass er sich selbst so gut belogen und betrogen hat, dass er das komplett vergessen und verdrängt hat. dass sein Leben eine einzige Lüge ist und er nichts hat, nichtmal weiß, wer er eigentlich ist? Da bricht mir das herz...und ich finde das eine so großartige, furchtbare, aufwühlende Geschichte, die mir so zu herzen geht, und die RA so genial gespielt hat. Deshalb kann ich nur begeistert sein. Mir hat diese staffel wirklich supergut gefallen, wie das so langsam immer mehr ans Licht kam...welche Auswirkungen das auf alle hatte, diese ganzen Abgründe.
Lucas war eine Lüge, ja...aber eine gelebte Lüge, eine lebhafte Lüge...ähm...wie soll ich das formulieren? Trotzdem aber wahr. Denn Lucas war, obwohl er eine Lüge war, erfunden, ja doch jahrelang real, hat gewirkt und gehandelt, hat geliebt und gelitten und gekämpft.
Boah, das ist so eine große Geschichte!
Ich werde mir definitiv auch die Staffeln vorher nochmal anschauen, denn dieser Lucas dort ist echt!!! Auch wenn John da schon (bzw immer noch) tief in ihm schlummert, da ist Lucas der lebendige und er Aktive und weiß überhaupt nichts von John und dessen taten! Bin aber gespannt, ob es versteckte Hinweise gibt...so wie eben diese furchtbar nüchterne und kalte Wohnung, über die wir uns auch schon beschwert hatten...für mich ist das schon ein Hinweis, dass mit Lucas eben doch irgendwas nicht so ganz stimmt...find ich total spannend. Trotzdem bleibt der lucas der ersten Staffeln Lucas, der Held, der tolle Agent, da ändert sich für mich überhaupt nichts.
Gott, ich finde das so tragisch, dass Lucas das durchmachen muss, dass er erkennen muss, was er getan hat, was er verbrochen hat, dass er nicht der Mensch ist, der er zu sein glaubte, wie sein ganzes leben dadurch zusammenbricht

Wie er versucht davonzulaufen und das nicht wahrhaben will, wie er bereit ist, dafür auch zum Verräter zu werden...das war so ein Kampf für ihn Harry zu hintergehen und für Vaughn zu arbeiten, nur in der Hoffnung, dass bald alles wieder vorbei und beim alten ist.
Und wie er sich so danach sehnt, ein echtes Leben zu bekommen, wie er glaubt mit Maya neu anfangen zu können, nur um dann mit jedem tag mehr festzustellen, dass das nicht geht, dass da ein Prozess begonnen hat, den er nicht mehr aufhalten kann. das erklärt für mich seine letzten verzweifelten taten. Und sein Verhalten gegenüber Ruth und zum Schluss gegenüber Harry zeigen mir deutlich, dass er nicht mehr der John von früher ist. Er versucht es zu sein, um mit heiler haut rauszukommen, aber er scheitert, denn sein zeit als Lucas hat ihn geprägt und verändert. ich hab so geheult, als dieser Dialog mit Harry war, wenn er doch ihn vor Vaughn kennengelernt hätte...wie wahr. Wie anders hätte alles sein können, wie anders hätte er sich vielleicht entwickelt...wer weiß...
ich fand es folgerichtig, dass er dann springt, so furchtbar das auch ist. Aber sein leben ist schon längst vorbei. Er hat John "umgebracht", als er zu Lucas wurde...udn er hat Lucas "umgebracht", als John wieder aus den Tiefen in ihm auftauchte...er hatte kein leben mehr, war gefangen in Erinnerungen und zwischen diesen 2 gegesätzlichen Charakteren...und er hat sich entschieden, dass es so nicht weitergeht, dass er nicht die Konsequenzen seines Handelns (als John, aber eben auch als Lucas, sein verhalten gegenüber dem MI5, gegenüber Ruth, gegenüber Harry) tragen kann, dass er das nicht schafft...und daher springt er und beendet sein (nun völlig verkorkstes) Leben
Bin immer noch völlig ergriffen...
Hoffe, ihr konntet verstehen, was ich sagen wollte, es ist so kompliziert zu beschreiben, aber es war mir ganz arg wichtig, dass mit euch auszutauschen, das mitzuteilen. Das war meine ganz persönliche und subjektive Sichtweise...und eine spoilerfreie, ich wusste nämlich wirklich gar nichts, als ich die Staffel gesehen habe...