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Gesehen habe ich die Folge noch nicht, aber nach dem, was man in Folge 1 - 3 gesehen hat und der Handlung von Folge 4 könnte man fast denken, Lucas und John sind 2 ganz unterschiedliche Personen, nicht nur mit Unterschieden in der Kleidung, der Haltung und anderen Äußerlichkeiten, sondern auch im Charakter. Lucas ist derjenige, der einen hohen moralischen Anspruch hat und ganz klare moralische Werte, der loyal ist, ehrlich (er lügt, wenn es sein Job erfordert, aber so weit ich mich erinnern kann nicht aus banalen Gründen, wie z.B. eine Frau ins Bett zu kriegen), anständig, mutig und notfalls auch bereit, sich für sein Land und für seine Werte zu opfern. Natürlich hat er auch jede Menge Fehler, aber insgesamt ist er doch "gut". Und John macht den Eindruck als ob er schwach sei, leicht manipulierbar, unehrlich, hinterhältig, eiskalt auf seinen persönlichen Vorteil bedacht und bereit, alles zu opfern, nur um mit Maya zusammenzusein. Für mich war der erste Hinweis darauf eben diese letzte Szene von 9.3, auch wenn ich da bestimmt etwas überempfindlich reagiert habe.
Jetzt wird nur die Frage sein, wie uns die Drehbuchschreiber das plausibel erklären wollen. Nachdem sie uns hoffentlich nicht weismachen wollen, Lucas sei irgendwie schizophren, sehe ich eigentlich nur 2 Möglichkeiten:
Entweder Lucas ist Lucas, d.h. er ist jemand, der vielleicht in seiner Jugend eine katastrophale Dummheit gemacht hat und von daher diesen Vaughn kennt, aber wenn, dann eigentlich auch nur aus fehlgeleitetem Idealismus. Da er erkennt, dass Vaughn eine große Gefahr darstellt, beschließt er, ihn im Alleingang auszuschalten und es sieht zwar so aus, als ob er diese Akte stiehlt und einen Kollegen als Sündenbock benutzt, aber in Wirklichkeit sind auf dem stick nur wertlose Informationen und wir haben nur nicht gesehen, dass er dafür gesorgt hat, dass dem Kollegen nichts passiert. Oder dieser Kollege ist gar nicht unschuldig. Und Maya spielt er die ganze Zeit etwas vor, weil er weiß, dass sie in der Sache mit drinstecken könnte. Vielleicht hat er ja seinen Verstand rechtzeitig eingeschaltet und darüber nachgedacht, warum Vaughn das Foto von Maya in den Koffer getan hat. Dann wäre dann eine spannende, wenn auch verwirrende Geschichte. Am Schluss sollten aber wenigstens die Zuschauer erfahren, dass Lucas unschuldig ist. Wenn man einen cliffhanger daraus machen wollte, könnte man es natürlich so hinstellen, dass Harry immer mehr davon überzeugt ist, dass Lucas ein Verräter ist (weil ihm die Informationen fehlen, die wir haben) und er läßt Lucas deshalb am Ende der Staffel verhaften.
Leider könnte es auch so sein, dass Lucas in Wirklichkeit John ist. D.h. er hat dann 15 Jahre lang erfolgreich so getan, als ob er ein im Prinzip anständiger Mensch ist, obwohl er eigentlich so ist, wie ich oben beschrieben habe. Ich bin kein Psychologe, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas möglich ist. Meiner Meinung nach würden die Drehbuchautoren damit die Intelligenz der Zuschauer beleidigen und jemanden, der uns als tragischer Held präsentiert wurde (wie @Nietzsche so richtig gesagt hat) als bösartigen Schwächling demontieren. Aber vielleicht denken sie auch es sei romantisch, wenn ein Mann alles opfert (einschließlich seiner Werte und seiner Kollegen) für die Liebe seines Lebens.
Übrigens - bei Guy hatte man doch immer irgendwie den Eindruck (oder zumindest die Hoffnung), er hat einen guten Kern und durch die Liebe zu einer Frau (auch wenn es leider Marian war) wird der irgendwann hervorkommen. Bei Lucas wäre es im schlimmsten Fall genau umgekehrt.
_________________ Danke an finchen für diese wunderbare Signatur
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