26.11.2019, 00:00
Hat hier jemand den Film gesehen und will seinen persönlichen Senf dazugeben?
Ich komme gerade aus dem Kino. Bin nur wg. RA und Daniel Brühl rein, der leider etwas unterging. Ich hatte befürchtet, dass es eine weitere Variante von Brain on Fire ist, aber ich fand, Richard hat glaubwürdig gespielt und war, trotz recht hässlicher Szenen mit der Ex, noch am ehesten der Sympathieträger. Julie Delpy fand ich bis zum Abwinken nervig, vor und nach dem Unfall. Leider hatte der Film ein merkwürdiges Tempo, Mal entsetzlich langatmig, dann wieder rasch abgespult.
Schade, denn das Thema ist interessant und regt wirklich zum Nachdenken an, gerade wenn man selbst Mutter ist.
26.11.2019, 09:46
Da hatten wir ähnliche Eindrücke, Minou! Ich hatte hier spontan meinen Senf dazu abgegeben:
https://nellindreams.wordpress.com/2019 ... g-spoiler/Auch mir erschien Richards James an manchen Stellen sympathischer als Isabelle, über die ich mich auch von Anfang an aufregte... Bin ich deswegen zu sehr auf männliche Sichtweisen geeicht?
26.11.2019, 22:36
Ich fand sowohl Isabelle als auch James sehr unsympathisch, auch wenn Delpy und RA das jeweils sehr überzeugend spielen.
Ohne wenigstens eine halbwegs sympathische Figur im Film, fiel es mir sehr schwer, mich emotional auf die Handlung einzulassen.
Aber am schwersten wiegt wohl für mich, dass mich die Handlung an sich nicht überzeugen konnte. Als Beziehungs- bzw. Familiendrama hätte der Film für mich funktionieren können, aber das letzte Drittel hat mich gar nicht überzeugt und auch das Ende fand ich nicht ganz schlüssig.
Fällt für mich insgesamt in die Kategorie Film: kann man anschauen (gerade als RA-Fan), muss man aber nicht.
27.11.2019, 00:19
Ich fand es gut, Richard endlich wieder einmal auf der großen Leinwand zu sehen. Außerdem macht er seine Sache, wie ich finde, sehr gut. Leider konnte ich nicht in die OV, aber ich kann mir aufgrund des Trailers und der allgemeinen RA-Erfahrung sehr gut vorstellen, dass sein James als Komplettpaket in den nachehelichen Konfrontationsszenen noch ein Stück beängstigender und einschüchterner daherkommt als die synchronisierte Fassung. Trotzdem gelingt es ihm, in meinen Augen, auch Untertöne unterzubringen, wodurch die von Delpy doch scheinbar angestrebte Stereotypisierung leise durchbrochen wird: James mit Zoe auf dem Fußballplatz, James der mit seiner Trauer um Zoe kämpft und sie loszulassen versucht etc. Der eine oder andere Dialogmoment im Streit tut sein Übriges.
Was er Isabell da bisweilen an den Kopf wirft, ist unzweifelhaft unterste Schublade. Allerdings bleibt sie ihm da nichts schuldig und setzt zudem das eine oder andere unschöne Wortgefecht selbst in Gang (so fängt sie mit der Auseinandersetzung um das eingeschlafene Intimleben an, die ins Unterirdische abgleitet). Bisweilen blitzt zudem auf, dass die Wahrheit wahrscheinlich, wie so oft, zwischen den subjektiven Wahrnehmungen liegt, wenn z. B. Angaben voneinander abweichen (Isabell sagt, dass sie ein Jahr nach Zoes Geburt erst wieder ihre Arbeit aufnehmen konnte, James hält dagegen, dass sie bereits nach sechs Monaten wieder arbeiten ging).
Isabell finde ich als Helikopter-Mutter 2.0 wahnsinnig anstrengend und ihr Alleingang nach Zoes Tod macht sie - ganz unabhängig davon, was man von der von ihr gewählten "Lösung" hält - mir nicht gerade sympathischer. (Ich glaube, sie macht sich und damit Delpy uns etwas vor, weil Zoe 2 trotz genetischer Gleichheit nicht Zoe 1 werden wird, da ihre Kindheit nicht identisch verläuft u.v.m. und Zoe 2 zu sein, wird deshalb sicher kein Zuckerschlecken sein.) Und die häufige Beschreibung in den Kritiken, dass sie ihre toxische Ehe hinter sich gelassen und erfolgreich in einem neuen Leben angekommen ist, ist allzu optimistisch.
Nun muss ich mich mit keiner Figur identifizieren können, damit mich ein Film packt. Und ein Film kann gerade auch dann gut funktionieren, wenn er so inszeniert ist, dass man außenstehende/r Beobachter/in ist. Hier gelingt es aber nicht so recht, weil es zum einen nicht das ist, was Delpy wollte, zum anderen aber die Versuchsanordnung auch nicht konsequent genug durchgeführt wurde und an so mancher Stelle brüchig ist, z. B. hinsichtlich der Organspendethematik, bei der die möglichen und verständlichen Reaktionen von Angehörigen hier irgendwie falsch "verteilt" erscheinen, wenn man den weiteren Verlauf der Handlung bedenkt.
Im Vergleich zu Julie Delpy und Richard finde ich Daniel Brühl in diesem Film leider recht farblos. Aber das mag auch an den Möglichkeiten liegen, die ihm das Drehbuch bietet. Für mich kommt jedenfalls viel zu kurz, warum er sich kurzfristig umentscheidet, doch auf Isabells Wunsch einzugehen, und ob er da wirklich mit sich ringt oder nicht.
03.12.2019, 19:13
Danke für eure Eindrücke, die mich - plus die gelesenen Kritiken in den Medien - weiterhin davon überzeugen, mir den Film nicht anzusehen. Möglicherweise später mal, wenn er im Free-TV ankommt.
30.03.2021, 13:50
Danke für die Zusammenfassung. Ich schliesse mich da Doris-Anglophil an.