Halbzeit in der zweiten Staffel, Zeit für ein erstes Resümee:

Ja, es begann eigentlich sehr viel versprechend und man konnte sicher sein, dass an den Erfolg der ersten acht Episoden mehr oder weniger nahtlos angeküpft wurde. Die Episoden 2.1 und 2.2 waren von gleicher Qualität und ließen kaum Kritik zu. Wenn etwas zu bemängeln war, dann ist es vielleicht der Umstand gewesen, dass man nicht oder nur unzureichend auf die privaten, familiären Hintergründe von DI Reid eingegangen ist, denn man fühlte sich sehr uninformiert über die Vorgänge, die dazu geführt hatten, dass Inspector Reid nun plötzlich allein, ohne Ehefrau auf der Bildfläche erscheint. Darüber gab es Gott sei Dank in 2.2 ein wenig Aufklärung (ob sich dies plausibel zu Staffel 1 anhörte, sei dahingestellt), in einer Szene, die bislang zu den stärksten der zweiten Staffel gehört, wie auch insgesamt die gesamte zweite Folge als die bisher beste zu bezeichnen ist.
Die folgenden Episoden 2.3 und 2.4 fielen beständig in der Qualität ab, was der BBC vor allem Einbrüche in den Quoten bescherte. Das ist eine sehr bedauerliche Entwicklung. Die Schreiber haben es nur ungenügend vermocht, trotz vollgepackter Handlung mit teils doch erschreckenden bis fragwürdig/abstoßenden Szenen (z.B. brutaler Umgang von CI Abberline mit einem Informanten, Gewalt gegen Tiere

), auf die drei Protagonisten und ihre Hintergrund-Geschichten weiter einzugehen und entsprechend dem Zuschauer die emotionale Ebene zu öffnen. Mit dem Geplänkel zwischen Reid und Miss Cobden schuf man zwar eine neue Love-Story, die aber nur bruchstückhaft und nicht konsequent und nachhaltig genug verfolgt wird. Ebenso verfährt man mit Cpt. Jackson und Sgt. Drake, deren Stories zwar immer mal wieder angerissen, aber nur unvollständig und unzufriedenstellend durchgezogen und zu Gunsten von vermeintlich spektakulärer Haupthandlung zerpflückt und vernachlässigt werden. Dadurch entstehen beim Zuschauer Unruhen im Handlungs- und spannungsbogen, die absolut vermeidbar gewesen wären. Es gelingt einfach nicht, zu fesseln und eine Ebene der Identifikation und der Emotionalität zu schaffen.
Zusätzlich wird Cpt. Jackson zu einer Art "Allwissendem", einem beständigen Quell der Weisheit und der Wissenschaft, zu einem Übermenschen gemacht, was spätestens nach drei Folgen total nervt. Es gibt wahrscheinlich kein Forschungsgebiet, über das er nicht eine wissenschaftlich fundierte Abhandlung von mindestens einhundert Seiten schreiben könnte!
Da holt dann auch die Schauspielkunst von MM, der wie gewohnt vor allem in den leisen Szenen glänzt, leider nicht mehr alle Kohlen aus dem Feuer.
