Hier nehmen wir Doris liebsten MM auseinander!
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20.06.2007, 21:35

Hope to see you in that apron - friend of verity!! It is my wish ... :grinsen:

20.06.2007, 21:35

20.06.2007, 23:35

doris-anglophil hat geschrieben:Ich glaube, das ist nur die Verniedlichung von "Lass" also "Mädchen" im nordenglischen/schottischen Sinne... oder?


Yes, indeed, it is!

21.06.2007, 10:54

Die Bilder sehen toll aus. Mädels, ich wünsche euch unglaublich viel Spaß und unvergessliche Tage in London...

26.06.2007, 12:32

Dies ist nun speziell über das Stück, weniger über die Begebenheiten rund um MM und unseren Aufenthalt in London, deswegen geht dieser Teil als Review in diesen Thread.


The Pain and the Itch, by Bruce Norris, Royal Court Theatre London, June/July 2007

Wie ich bereits den vorab veröffentlichten Fotos, den ersten Zeitungsberichten und auch der geführten Tour am Mittag entnehmen konnte, ist das Stück sehr gut durchproduziert. Es stimmen die Details, wie Bühnenbau, Kulisse, Requisite und Licht bzw. Spezialeffekte sehr gut mit der Dramaturgie überein.

Im Backstage-Bereich habe ich (mit geübtem Auge) erkennen können, dass jede Vorstellung akribisch genau und mit Hingabe vorbereitet wird.
Es sind relativ viele Requisiten usw. vonnöten, was eine sehr hohe Konzentration auf das Wesentliche seitens der Schauspieler, der Inspizienz und der Crew Backstage erforderlich macht. Bis auf einige winzige Kleinigkeiten ist dies alles perfekt abgelaufen.

Man muss ein bisschen ein Gespür für dramaturgische Abläufe und das Theater an sich haben, um das für ungeübte Theatergänger wahrscheinlich leicht verwirrende Wechselspiel von Rückblenden und tatsächlichen (gegenwärtigen) Szenarien zu verstehen.
Alles in allem ist das Stück so umgesetzt, wie auch ich es höchstwahrscheinlich inszeniert hätte (ich liebe ebenfalls die Spielereien mit unterschiedlichem Licht und Effekten, um zeitlich verschiedene Erzählstränge herauszuarbeiten).

Darstellerisch gibt es so gut wie nichts auszusetzen, nur das Kind (die Tochter in dem Stück) hat mir nicht so super gut gefallen, aber es ist natürlich auch extrem schwer, ein Mädchen dieses Alters zu finden, das so auf der Bühne agiert, als würde sie nicht „schauspielern“. Gut, vielleicht bin ich da überkritisch, tut mir leid.

Mit dem amerikanischen Akzent hatte vor allem MM am Anfang (beide Male übrigens) leichte Probleme, wenn das Stück fortschreitet, bessert sich dies jedoch schnell. Die Bühnenpräsenz der drei Männer (MM als Clay, PS als Cash und Abdi Gouhad als Mr. Hadid) ist absolut umwerfend. Ich habe beim ersten Sehen versucht, auf die gesamten Abläufe zu achten und mich so weit es ging, nicht allzu sehr an MM fest gebissen (ist mir zwar schwer gefallen, aber es war machbar).

Daher konnte ich feststellen, dass mir insbesondere Peter Sullivan als leicht schnöseliger Schönheitschirurg Cash (der Bruder von Clay) extrem gut gefallen hat. Ein mehr als exzellenter Schauspieler, Hut ab!
Clay hat man so porträtiert, dass er durchweg als Loser dargestellt und wahrgenommen werden soll. Was durchaus auch die eigene Bewusstseinsebene von Clay widerspiegelt, denn es wird mit Fortgang des Stückes mehr und mehr klar, dass er an mangelndem Selbstbewusstsein und extremen Minderwertigkeitskomplexen leidet.

Komischerweise war es für mich von vorneherein klar, wohin das Stücke letztendlich führen wird (ohne den Text vorher gelesen zu haben, ich bin völlig „unvorbereitet“ in die Vorstellung gegangen). Für mich war alles sehr offensichtlich, spätestens als der erste Akt fertig war, wusste ich die gesamten Zusammenhänge und hatte die Tragweite komplett erfasst.
Was aber nicht bedeuten soll, dass dies anderen Zuschauern auch so gehen muss. Vielleicht ist es auch nur mein berufliches Gespür für solche Dinge.

Zu den Damen: Andrea Riseborough als Kalina (Freundin von Cash) ist natürlich der Knüller! Ihr Charakter ist so extrem überzeichnet, dass es schon wieder richtig gut ist. Es macht unglaublich Spaß, ihr zuzusehen und zuzuhören.
Ebenfalls herausragend gut: Amanda Boxer als Carol (Mutter von Clay und Cash). Ihr Amerikanisch ist übrigens mit das Beste.

Selbstverständlich gibt es auch keinen Makel in der Leistung von Sara Stewart als Kelly (Frau von Clay), die ihren großartigsten Moment dann hat, wenn sie ihren Schwager Cash aus dem Haus weist.

Es gibt nur ein oder zwei Punkte, wo sich Fragen auftun, wo das Stück vermeintlich nicht rund, nicht in sich geschlossen ist, aber das liegt nicht an der Inszenierung, sondern bereits am Buch von Bruce Norris. Es stellt sich daher die Frage, ob die Inszenierung, bzw. der Regisseur überhaupt ein Interesse daran hat, dies anders darzustellen. Wahrscheinlich nicht. Also bleiben einfach ein paar Kleinigkeiten offen, und gut.

Zur Leistung von MM speziell: Muss ich da noch was sagen? Nein, ernsthaft, für mich war der Star der Nachmittagsvorstellung eindeutig Peter Sullivan (da staunt ihr, was?). Allerdings: MM hat die subtilere Rolle, ganz eindeutig.
Er war aber am Nachmittag nicht ganz so gut drauf, in der Abendvorstellung hatte ich den umgekehrten Eindruck, da war Peter weit weniger gut als nachmittags, dafür legte MM um Klassen zu.

Er spielt (einmal mehr) einen sehr zerrissenen Charakter. Diese Rollen stehen ihm einfach am besten zu Gesicht, keine Frage. Er kann alle Register seines Fachs dabei ziehen, und es macht ungeheuer Spaß, ihm dabei zusehen zu können. Die Komödie driftet ja mehr und mehr in eine Tragödie ab und den Prozess macht MM in seiner Rolle am eindeutigsten klar, gefolgt von Sara Stewart.

Man sieht alle Facetten seines brillanten Könnens, die komödiantische Seite, die tragische Seite. Was das Stück jedoch nicht bietet, ist die romantische Seite. Aber man kann halt nicht alles haben!
Er ist als Clay die überwiegende Zeit auf der Bühne einfach nur völlig hilflos. Ein Mann, an dem das Leben vorbeirauscht, ohne ihn auf dieser Reise mitzunehmen. Er steht völlig neben diesen Dingen.
Clay hat zwar Familie, eines der höchsten Werte, die die Amerikaner haben, und es wird auch anfangs ständig deutlich gemacht, wie viel ihm daran liegt, das es da höchste Gut ist, aber – wie schmerzhaft muss er erkennen, dass auch dies nur ein Trugschluss ist.

Clay hat ein (vermeintlich) sorgloses Leben, die Frau verdient gut Flocken, jemand, der nicht genau hinsieht, würde die Familie als neureich betiteln. Aber – alles Geld der Welt kann nicht erkaufen, was sich viele tief im Herzen ersehnen: Liebe und Geborgenheit. Auch dies hat Clay eindeutig nicht! Obwohl sich zuerst ein gegenteiliges Bild zeichnet.

Clay hat die oberflächlichen amerikanischen Werte, nämlich eine sehr stabile finanzielle Situation und typische überbewertete Familienverhältnisse. Doch letztendlich bröckeln diese Werte weg wie die marode Fassade eines alten, ungepflegten Bauwerks und zurück bleibt – Nichts!

Bild

Clay (MM) am Ende...

26.06.2007, 16:29

Doris, das ist sehr lieb von Dir. Und für mich als Daheimgebliebene ein echter Leckerbissen überhaupt einmal einen Einblick in das Stück zu bekommen. Und über das Bild das Du dazu getan haßt muß ich ja wohl nichts mehr sagen - nur das ich hier sitze und mich vor lauter Heulerei nicht mehr einkriege. Ich finde das so furchtbar lieb von Euch das ihr einem an diesen wunderschönen Erinnerungen teilhaben läßt.

26.06.2007, 21:09

Danke für den review doris!!!

Kann dir bzgl. Peter Sullivan nur zustimmen! Fand ihn wirklich sehr, sehr gut!!!

Und der Ami-Akzent ist mir auch als erstes und am stärksten bei der Mutter aufgefallen. Bei den anderen ist er mir nicht ständig "ins Ohr gesprungen"; es war mehr das Wissen, dass er irgendwie da sein muss, da das ganze ja nun mal in Amerika spielt :D .

26.06.2007, 22:10

Toller Bericht, Doris :juhu: , so kann es eben nur eine Expertin beschreiben... :daumen: . Ich habe das Stück total genossen, es war eine perfekte Mischung der verschiedensten Emotionen und Stimmungen. Die Schauspieler fand ich allesamt ganz toll, ich musste mich oft selbst dazu ermahnen, MM nicht zu lang aus den Augen zu lassen... er war aber natürlich das Highlight überhaupt. Ich war völlig aus dem Häuschen, wie herrlich er die komischen Szenen gespielt hat. Davon würde ich gerne mal mehr sehn. An den Dialekt musste ich mich auch erst mal gewöhnen, aber hab das dann gar nicht mehr so wahrgenommen. OH hat zwar hier und da mal was nicht so gut verstanden, weil sein Englisch nicht so super ist, aber das Meiste hat er gut mitgekriegt und fand es auch sehr unterhaltsam. Das Bühnenbild fand ich auch sehr ansprechend - soweit ich das als Laie beurteilen kann.

Tolles Foto von MM, Doris :blum: (das kommt ganz gut hin, als Clay)

26.06.2007, 22:32

Julie hat geschrieben:Tolles Foto von MM, Doris :blum: (das kommt ganz gut hin, als Clay)


Das ist er als Clay, es ist ein Foto aus dem Stück, vom Theater zur Verfügung gestellt! :wink:

26.06.2007, 22:40

Danke für den Bericht, Doris! Dir als Profi fällt natürlich viel mehr auf, prima, daß wir nun auch davon profitieren können! :daumen: Ich bin schon so gespannt auf das Stück!

26.06.2007, 23:28

doris-anglophil hat geschrieben:
Julie hat geschrieben:Tolles Foto von MM, Doris :blum: (das kommt ganz gut hin, als Clay)


Das ist er als Clay, es ist ein Foto aus dem Stück, vom Theater zur Verfügung gestellt! :wink:

:shock: Irre - da sieht er wieder ganz anders aus als am Samstag...

26.06.2007, 23:30

Danke erstmal für deinen Bericht! :Danke:

doris-anglophil hat geschrieben:Zur Leistung von MM speziell: Muss ich da noch was sagen? Nein, ernsthaft, für mich war der Star der Nachmittagsvorstellung eindeutig Peter Sullivan (da staunt ihr, was?). Allerdings: MM hat die subtilere Rolle, ganz eindeutig.
Er war aber am Nachmittag nicht ganz so gut drauf, in der Abendvorstellung hatte ich den umgekehrten Eindruck, da war Peter weit weniger gut als nachmittags, dafür legte MM um Klassen zu.

Ich dachte immer, dass Schauspieler immer - egal zu welcher Tageszeit - gleich gut spielen. Je nach Rolle.

Wenn ich es mir so recht überlege :roll: , kannte ich das auch.
Es ist wirklich stimmungs- und situationsabhängig, wie man spielt.

26.06.2007, 23:32

Anke hat geschrieben:Es ist wirklich stimmungs- und situationsabhängig, wie man spielt.


Allerdings, das ist es!!! :ja:

26.06.2007, 23:51

doris-anglophil hat geschrieben:
Anke hat geschrieben:Es ist wirklich stimmungs- und situationsabhängig, wie man spielt.


Allerdings, das ist es!!! :ja:

Nicht nur das.
Ich dachte auch, wenn man Lampenfieber hat, sie überwindet, hat es man nie wieder. Pustekuchen!
Ich war zwar schon ein wenig rotiniert. Hatte trotzdem, kurz bevor ich dran war, schon einen Kloß im Hals.
Außerdem, weiß man nie vorher wie das Publikum drauf reagiert.

28.06.2007, 13:54

Danke Doris für diese Review...jetzt hab ich wieder das Gefühl, als wäre ich fast dabei gewesen... :dankeschön: Ein tolles Erlebnis!!!

02.07.2007, 16:44

Der absolute Knaller - das RCT hat ein Youtube Video eingestellt über "The Pain & the Itch", zu Werbezwecken... saugeil!!!

Unbedingt ansehen!!!





:schmacht: :schmacht: :schmacht: :schmacht: :schmacht: :schmacht: :dergroesste: :dergroesste: :dergroesste: :dergroesste: :dergroesste: :dergroesste: :dergroesste: :daumen: :schnapp:
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