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| Mill overseer & MM ambassador |
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Registriert: 02.05.2006, 10:58 Beiträge: 24152 Wohnort: zu weit weg von der Glückseligkeit
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Ein Feiertags-Kapitel zum 1. Januar! Allerdings gibt es nix an Heilig Drei König, das ist nämlich bei mir kein Feiertag - :ätsch: Übermorgen dann regulärer Postingtag.
Dieses Kapitel ist noch einmal... ähm etwas...  , danach wird es aber deutlich moderater.
Spiele waren damals bei Gesellschaften (wie überhaupt bis ins weite 18., teilweise noch 19. Jahrhundert hinein) sehr beliebt. Habe die im Hoch-/Spätmittelalter gängigsten versucht zu erwähnen.
Gebende und Rise war übrigens ein Kopfschmuck bei unverheirateten Frauen damals, sieht etwa so aus:
Personen in diesem Kapitel:
Edmund of Chiswell - junger Rechtsgelehrter und Richter der Krone
Daniel Straaten - dessen Gehilfe
Magdalyn Hobbles - eine junge Frau und Waise
König Richard II - selbstredend
Königin Anne (Anne von Böhmen) - dessen Gemahlin
Katherine d'Angier - deren Hofdame
Ort und Zeit: Palast von Westminster und London, in der Nähe der Themse, ca. 1390
4. Die Hofdame
„Lord Chiswell! Wie schön, Euch zu sehen. Darf ich Euch meine Gemahlin, Anne von Böhmen, vorstellen; Unser und Englands kostbarster Schatz. Madame, dies ist Lord Chiswell, der mein Richterkollegium verstärkt und deswegen extra vom Festland zu Uns gereist ist.“ Edmund of Chiswell erwies dem König seine Reverenz und bekam huldvoll von der jungen Königin die Hand gereicht, über die er sich ganz kurz galant beugte. Dann war er entlassen und mischte sich unter die Gäste. Nur John Fordham war ihm noch bekannt, alle weiteren Personen waren Fremde für ihn.
Königin Anne winkte eine ihrer Hofdamen zu sich: „Habt Ihr jemals zuvor einen so großen Mann gesehen, Katherine?“ „Nein, Euer Majestät, noch nie. Wer ist er?“ „Seine Majestät sagte, es handele sich um Lord Chiswell, ein Hoher Richter der Krone. Katherine, ich bin glücklich verheiratet, auch wenn Seiner Majestät und mir bislang der Kindersegen verwehrt geblieben ist. Aber wäre der stattliche Chiswell nicht etwas für Euch, meine Liebe?“ „Euer Majestät sind zu gütig, an mich zu denken. Doch scheint es mir nicht unwahrscheinlich, dass ein attraktiver Mann wie der Lord bereits verheiratet sein könnte.“ Die Königin beugte sich näher zu ihrer Hofdame und flüsterte: „Nun, ich bin überzeugt, Ihr werdet es ziemlich rasch herausfinden, Katherine. Ich entlasse Euch für heute aus Euren Pflichten, Ihr dürft Euch ganz dem Studium von Lord Chiswell widmen.“
Es wurden wohl die bei Hofe zu solchem Anlass üblichen Vergnügungen geboten. Einem Wettschiessen von Bogenschützen am Ufer der Themse schaute man mit wenig Begeisterung von den Fenstern des Palastes zu. Bevor es eine Musikdarbietung mit einem Lautenensemble geben würde, labten sich die Gäste an heißem Wein.
Edmund Chiswell drehte sich weg vom Fenster und sah sich einer sehr schönen Dame gegenüber. Ihre dunklen Haare schimmerten durch Rise und Gebende, ihre ebenfalls dunklen Augen gaben ihr einen fast südländischen Ausdruck. Er hatte in Italien manchmal Frauen gesehen, die dieser vom Typ her glichen. Der Kopfbedeckung nach zu urteilen war sie also nicht verheiratet.
Er nickte ihr durch ein kurzes Neigen seines Kopfes höflich zu. Mehr Ermunterung brauchte die Dame im dunkelgrünen Gewand nicht. Sie kam sehr nahe an den attraktiven Lord heran und säuselte: „Mylord, Ihre Majestät hat mich beauftragt, herauszufinden, ob Ihr wohl verheiratet seid. Würdet Ihr es mir verraten, da es sozusagen ein königlicher Befehl ist?“.
Er war etwas überrascht über so viel Courage bei einer Dame, aber auch leicht amüsiert. Seine linke Augenbraue stieg etwas in die Höhe, was ihm ein verwegenes Aussehen bescherte. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen antwortete er der geheimnisvollen Unbekannten, die augenscheinlich zum Hofstaat der Königin gehörte: „Selbstverständlich werde ich dem königlichen Befehl Folge leisten. Aber zuerst verratet Ihr mir, Mylady, mit wem ich das Vergnügen habe.“
Ein kokettes Lächeln war der Lohn für seine Frage, gefolgt von der eigenen Vorstellung der Dame: „Katherine d’Angier, Hofdame Ihrer Majestät. Ich erlasse Euch die Vorstellung, Ihre Majestät hat mich bereits ins Bild gesetzt Euch betreffend. Und nun erwarte ich eine Antwort auf meine erste Frage.“ Eines musste man ihr lassen, sie verlor keine Zeit. Lord Chiswell war hingerissen von ihrer forschen Art. Damen wie diese traf man nicht oft, und gewiss hatte er so eine kokette Person nicht am englischen Königshof erwartet.
„Ich bin frei und ungebunden und hoffe sehr, dass Euch diese Antwort angenehm ist, Mylady.“ „Das ist sie, Mylord, dessen seid versichert.“ „Gut. Habt Ihr der Königin am heutigen Tage weiter zu Diensten zu sein, oder dürft Ihr Euch während der Musikdarbietung zu mir setzen?“ „Ihre Majestät hat mich huldvoll entlassen für heute und somit dürfte dem Hörgenuss an Eurer Seite nichts im Wege stehen.“ „Darf ich Euch meinen Arm anbieten, um Euch zum Platz zu geleiten?“ „Ihr dürft, Mylord.“ Und Katherine d’Angier krallte ihre Finger äußerst Besitz ergreifend in den samtenen Ärmel von Lord Chiswell.
Nach dem Lautenspiel waren andere Spiele angesagt. Es wurden Spieltische herangeschafft, man konnte sich den Kartenspielen zuwenden, oder Schach spielen, worin Lord Chiswell es meist zu großem Können brachte. In Anbetracht seiner weiblichen Begleitung verzichtete er aber auf eine Partie Schach und spielte mit großem Vergnügen zusammen mit Lady d’Angier bei einem Würfelspiel mit. Bald hatten sie mehr als ihren Einsatz wieder gewonnen, das Glück war den beiden hold. Außerdem hatten ein paar Unentwegte sich dem allseits beliebten Tafl zugewandt.
Als wieder ein Einsatz verdoppelt war, strahlte ihn Katherine d’Angier an und fiel ihm vor lauter Jubel ungestüm um den Hals. Er zog die Dame diskret, aber unmissverständlich an sich. Obwohl er im Bett derzeit Erfüllung bei Magdalyn fand, war diese Dame doch eine ganz andere Klasse. Es reizte ihn, er musste es zugeben. Wie einfach war es, der Hofdame der Königin an die Röcke zu gehen? Oder wie schwierig? Wenn er die Signale richtig deutete, die ihm diese Dame aussandte, dann war es nur noch eine Frage von Minuten, bis sie ihm wie eine reife Frucht in die Arme sank.
Er musste seiner Blase bald Erleichterung verschaffen. Das ging nur außerhalb des Palastes. Würde Lady d’Angier umgekehrt auch seine Signale richtig deuten? Edmund Chiswell musste es auf einen Versuch ankommen lassen. Er erhob sich und raunte ihr zu: „Ihr entschuldigt mich, Mylady, für eine kleine Weile. Ich werde so schnell wie möglich zu Euch zurückkehren, natürlich.“ Sie fragte unumwunden zurück: „Wenn Ihr Eurer Blase Erleichterung verschafft, wäre es doch ein Leichtes, auch anderen Körperteilen das gleiche Privileg zukommen zu lassen, oder?“
Edmund grinste selbstgefällig. Die Dame wusste, wo der Hase im Pfeffer lag! Er nickte leicht: „Ich höre, Mylady.“ „Wenn Ihr von Eurem Gang nach draußen zurückkehrt, dann kommt nicht wieder hier in diesen Saal. Geht die Treppen noch ein Stockwerk höher, dann in den Gang links. Dort warte ich hinter der dritten Tür. Es sind Privatgemächer für den Hofstaat, aber erwartet nichts Besonderes. Man hält uns knapp und ich muss froh sein, überhaupt eine Kammer für mich zu haben. Normalerweise schlafen die Hofdamen im Vorraum zum Schlafgemach der Königin. Habt Ihr verstanden?“ Ein weiters Nicken seitens des Lords, dann war er verschwunden.
Eine knappe Viertelstunde später klopfte er kurz an die ihm bezeichnete Tür. Die Tür wurde rasch geöffnet und Edmund schlüpfte geschwind hinein. Ohne groß Luft zu holen, ohne weitere Erklärung presste er Katherine d’Angier an die Wand und schob ihre Röcke nach oben. Er fand sie mehr als bereit für ihn, welch ein durchtriebenes Biest!
Der Einfachheit halber nahm er sie gleich ungestüm im Stehen. Sie stöhnte lauter als ein Pferdeknecht und bäumte sich ekstatisch auf, als sie den Gipfel der Lust innerhalb kürzester Zeit erreicht hatte. Edmund staunte nicht schlecht. Er war gewiss nicht unerfahren, aber dass eine Frau so schnell dahin kam, das war ihm noch nie zuvor untergekommen. Und dies ohne weiteres Zutun! Katherine d’Angier könnte ihm gefährlich werden, das merkte er. Noch nie hatte ihn eine Frau derart fasziniert. Sie war außergewöhnlich, in jeder Hinsicht. Wild und ungezügelt lebte er noch bis zu seiner Erleichterung seinen animalischen Trieb aus.
Katherine d’Angier richtete ihr Gebende und die Rise, beides war ihr im Eifer des Gefechtes vom Kopf gerutscht. Wie sie diesem Traummann ein Heiratsversprechen abluchsen konnte, war ihr noch nicht ganz klar. Darüber würde sie nachdenken müssen. Klar war nur, dass sie diesen Mann für sich haben wollte. Die Tauglichkeitsprüfung hatte er auf alle Fälle bestanden. Sie kaufte ja schließlich nicht die Katze im Sack. Mit zufriedener Miene erklärte sie: „Ich werde zuerst zur höfischen Gesellschaft zurückkehren. Ihr folgt mir mit gebührendem zeitlichem Abstand. Gedenkt Ihr, der Feier noch lange beizuwohnen, Mylord?“ Er schüttelte den Kopf: „Nein, nachdem ich Euch so wunderbar habe beiwohnen dürfen, werde ich mich bald vom Hofe zurückziehen. Es ist nur meine Pflicht, mich in angemessener Form von König und Königin zu verabschieden, wie Ihr Euch denken könnt.“ „Natürlich, da habt Ihr Recht.“ Und mit diesen Worten verließ sie das karge Kämmerchen.
Es war schon spät, als Edmund Chiswell in den Gasthof zurückkehrte. Alles schlief bereits. Er zog die edle Kleidung aus und schlüpfte im Hemd ins Bett zu Magdalyn. Ihr Körper war weich und warm, doch er hatte nach der Eskapade im Palast, dem vielen Wein und den anstrengenden Spielen kein körperliches Bedürfnis mehr und wünschte sich nur noch sehnlich den Schlaf herbei. Es war das erste Mal, seit er sie mit hierher gebracht hatte, dass er Magdalyn im Bett nicht anrührte. Er merkte auch nicht, wie ihr deswegen heiße Tränen die Wangen herunter liefen. Zwar hatte sie geschlafen, als er sich hereingeschlichen hatte, doch war sie wach geworden, als sie ihn an ihrer Seite gespürt hatte. Als er Minuten später jedoch laut angefangen hatte zu schnarchen, war ihr klar geworden, dass sie in dieser Nacht auf seine Umarmung würde verzichten müssen. Sie grämte sich bis zum Morgengrauen darüber.
Auch am Morgen kam es zu keinem Austausch von Intimitäten zwischen den beiden, da Daniel Straaten ungewöhnlich früh an die Tür klopfte. Edmund hatte arge Kopfschmerzen, der stark gesüßte und gewürzte Wein hatte dazu nicht unerheblich beigetragen. Magdalyn sprang sofort aus dem Bett, zog sich grobe Wollstrümpfe über die nackten Füße und warf sich ein schweres Tuch über die Schultern, dann machte sie rasch Feuer, zog sich fertig an und verzog sich sofort, damit Herr und Gehilfe ungestört ihren Tag besprechen konnten.
Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit konnte sich Edmund Chiswell auf fast nichts konzentrieren. Zuerst wegen seines Brummschädels. Aber er machte sich auch Gedanken um die Geschehnisse des Vortages bei Hofe. Es war ihm klar, dass er, nachdem was er und Katherine d’Angier miteinander getrieben hatten, bei ihr eigentlich in der Pflicht stand und ihr einen Antrag machen musste. Aber sie war – Edeldame hin oder her – wohl keine Unschuld vom Lande, es musste definitiv bereits einer vor ihm zu Werke gegangen sein. Es stand ihm irgendwie vor Augen, welche Parallelen, aber in einer Art verkehrten Welt, sich zwischen den beiden Frauen Magdalyn und Katherine auftaten.
Der Normalfall wäre gewesen – armes Mädchen der untersten Schicht prostituiert sich und wird zur Hure; edle Dame aus vornehmem Haus angelt sich im Probeverfahren einen Ehemann und bleibt unbescholten. Aber – Magdalyn war, egal wie er es auch drehte und wendete, in seinen Augen weit weniger eine Hure als Katherine. Diese hätte die Bezeichnung wesentlich mehr verdient, und je länger er darüber nachdachte, desto klarer stand ihm der unglaublich große unterschiedliche Maßstab, angelegt für ein und dieselbe Sache, vor Augen.
Lord Chiswell stöhnte innerlich auf, gepeinigt von den Erinnerungen an seine gestrige Tat. Was hatte er sich nur dabei gedacht, sich mit diesem Frauenzimmer vom Hofe einzulassen? Gut, er hatte sich von ihrem Äußeren und ihrer ungewöhnlichen Art faszinieren lassen. Überdies hatte er ein klein wenig zu tief ins Glas geschaut. Trotzdem – er hatte einen eklatanten Fehler begangen und er ahnte, dass ihm dieses Intermezzo im Palast von Westminster eventuell würde teuer zu stehen kommen.
Er wusste nur, dass er sich äußerst ungern zu einer Ehe mit Katherine würde zwingen lassen. Allerdings gab es kaum einen Ausweg aus dieser Zwickmühle. Er war ein Ehrenmann, mit Rang und Titel versehen. Demzufolge wäre die logische Konsequenz, die er zu ziehen hätte, der Dame ein Heiratsversprechen abzugeben. Wenn die Königin von der Sache erfuhr und damit auch wahrscheinlich König Richard, konnte eine Weigerung ihn leicht den Kopf kosten. Edmund Chiswell seufzte laut auf. Er hatte sich sehr rasch und einfach zum Narren machen und einfangen lassen. Resigniert blickte er auf seinen ledernen Hosenlatz und verfluchte das, was sich darinnen befand!
_________________ No, I can't, really... (MMs Antwort auf eine "freche" Frage von mir...)
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