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| Mill overseer & MM ambassador |
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Registriert: 02.05.2006, 10:58 Beiträge: 24152 Wohnort: zu weit weg von der Glückseligkeit
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So, mein Weihnachtsgeschenk ist heute Kapitel zwei! Aber Vorsicht - schon dies ist nicht ganz jugendfrei (aber noch moderat, wer mich kennt...  ).
Personen in diesem Kapitel:
Edmund of Chiswell - junger Rechtsgelehrter und Richter der Krone
Daniel Straaten - dessen Gehilfe
Magdalyn Hobbles - eine junge Frau und Waise
Ort und Zeit: London, in der Nähe der Themse, ca. 1390
2. Das Mädchen
An einem der Stände hatte er bereits zwei neue Hemden erstanden, sowie eine weitere Bruche. Edmund of Chiswell war daher bester Laune, als er gemeinsam mit Daniel das Bad betrat. Hoffentlich war die Magd einigermaßen ansehnlich und zugänglich. Er hatte schon lange keine Frau mehr beglückt und sein Trieb begann sich zu regen. Als er sich im heißen Wasser des Holzzubers wohlig seufzend niederließ, schloss er für einen Augenblick träge die Augen.
Als er sie wieder öffnete, stand eine bezaubernde junge Magd vor ihm, deren blonde Locken unter der Leinenhaube hervorlugten. „Soll ich euch den Kopf waschen, Herr?“ fragte sie schüchtern. Edmund schmunzelte und nickte. Vorsichtig kippte die junge Frau ihm Wasser aus einer Kanne über den Kopf. Dann massierte sie ihm sanft die Seife ins Haar. Edmund räkelte sich im Wasser. Er hoffte nicht, dass die Magd total unerfahren war, fast kam es ihm so vor. Ob sie wusste, was auf sie bei der Erwähnung eines Extraverdienstes zukam? Er bezweifelte es. Sie war schweigsam, verrichtete ihre Arbeit, ohne zu sprechen. Als sie ihm schließlich den Seifenschaum vom Kopf spülte, hielt er sie hart am Handgelenk fest:
„Wie heißt du?“ „Magdalyn, mein Herr.“ Er musste grinsen. Welch ein Zufall, dass sie ausgerechnet diesen Namen trug. Vom Holzbrett, das quer über dem Zuber lag, warf er ihr eine Münze zu. Sie fing diese ungeschickterweise nicht auf und musste sich nach dem Geldstück bücken. Edmunds Grinsen wurde breiter: „Wirst du mir einen Extradienst erweisen?“ Sie wurde rot, also wusste sie anscheinend doch, was manche Kunden als Extradienst bezeichneten. Dann sagte sie kaum hörbar: „Ich weiß wohl, was der Herr damit meint. Aber ich… ich habe es noch nie getan. Aber… für Euch… ich meine, Ihr seht gut aus und seid sehr sympathisch und bevor es mit einem zahnlosen, klapprigen Alten geschieht – geschehen muss -…“, sie ließ den Satz unvollendet.
Edmund atmete schneller. Hatte er sich tatsächlich eine Jungfrau eingefangen? Er wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Die junge Frau tat ihm nun fast leid. Andererseits – bevor es ihr wirklich von einem zahnlosen, klapprigen Alten angetan wurde… warum also nicht? Er war jung, strotzte nur so vor Kraft und Gesundheit, sie hätte es wahrlich schlimmer treffen können. „Seit wann arbeitest du hier?“ fragte er nach. „Seit zwei Tagen erst, mein Herr. Meine Mutter verstarb letzte Woche und ich bin nun auf mich allein gestellt. Ich muss mir meinen Lebensunterhalt jetzt selbst verdienen. Und ich weiß, dass manche Badegäste mehr als ein heißes Bad und eine Haarwäsche möchten. Nur hatte ich bis heute Glück, dass es noch nicht verlangt wurde. Ihr seid der Erste.“ Ihre letzten Worte klangen doppeldeutig in Edmunds Ohren.
Das Blut rauschte bereits mit Macht durch Edmunds Körper. Er fühlte, wie sich die Erregung in ihm ausbreitete: „Möchtest du zu mir ins Wasser kommen, Magdalyn?“ Seine Stimme hatte einen berauschenden Klang, es hörte sich an, als würde man geschmolzenen Zucker auf eine Süßspeise träufeln. Die Magd zog sich langsam die Haube vom Kopf und die blonden Haare fielen ihr zwar strähnig, aber doch in recht schönen Locken über die Schultern. Edmund lockte sie weiter: „Wenn du möchtest, wasche ich dir die Haare zur Abwechslung. Du hast wundervolles Haar.“ Magdalyn fühlte eine Wärme sich in ihrem Innersten ausbreiten, die sie noch niemals zuvor verspürt hatte. Sie schnürte den Rock auf, ebenso das Mieder und stand sehr schnell im Hemd vor der Wanne.
Nun aber nahmen ihr Schamgefühl und die Angst überhand. Sie stand wie angewurzelt und bewegte sich nicht mehr.
Edmund spürte es: „Magdalyn, du brauchst es nicht zu tun, wenn du Angst hast. Ich werde nach einer anderen Magd schicken, ja?“ Diese Worte stachelten etwas in ihr an, fast so eine Art Eifersucht. Wenn schon mal ein schöner, stattlicher Mann hier war, dann sollte ihn gefälligst auch keine andere haben. Sie würde es tun. Und plötzlich war sie wild entschlossen. Mit einem tiefen Atemzug stieg sie in die Wanne. Edmund zog ihr sofort das Hemd über den Kopf, was sie veranlasste, reflexartig ihre zarten Brüste zu bedecken. Mit beiden Händen zog er ihren Kopf zu sich hinab und küsste sie. Das ließ sie alles andere vergessen. Innerhalb von wenigen Sekunden hatte sie sich eng an ihn geschmiegt und erwiderte seine brennenden Küsse mit Leidenschaft. Vergessen war jede Schamhaftigkeit.
Sie merkte es nicht einmal richtig, als Edmund Lord Chiswell ihr die Unschuld raubte. Dieser Mann berauschte sie so sehr, dass sie den Schmerz kaum wahrnahm. Trotzdem hatte sie instinktiv kurz die Luft angehalten und sich ein wenig zusammengekrampft. Edmund ließ ihr einen Moment Zeit, sich an das Gefühl in ihrem Körper zu gewöhnen. Er wollte nur nicht, dass das Wasser kalt wurde, denn erkälten sollten sie sich beide nicht. So röchelte er ihr schon bald heiser ins Ohr, als sich sein Samen in ihr verströmte.
Magdalyn lag noch apathisch im Zuber, als Edmund sich bereits ein Leinentuch um die Hüften geschlungen hatte und aus dem Wasser stieg. Er küsste ihre Stirn von außerhalb der Wanne und murmelte: „Ich sollte dich vielleicht noch ein wenig entschädigen, dafür dass ich dir ein kostbares Gut genommen habe und du nicht einmal allzu große Lust empfunden haben dürftest. Ich bin kein Egoist, ich möchte durchaus, dass auch die Weiber beim Akt zu etwas kommen. Wenn ich dir also nicht völlig zuwider bin, darfst du mich gerne in meinem Gasthof besuchen. Meinen Gehilfen, mit dem ich mir das Zimmer teile, müssen wir dann jedoch anderweitig beschäftigen, fürchte ich.“
Magdalyn blickte ihn mit großen Augen an. „Möchtest du zu mir kommen und das Bett mit mir teilen? Ich zahle nicht schlecht, vielleicht sogar noch besser als die Badeanstalt hier.“ Sie stotterte: „Aber… mein Herr… dann wäre ich ja… eine… eine…“, sie brachte das Wort nicht raus. „Eine Hure? Mein süßes Kind, das bist du nun so oder so. Finde dich damit ab.“ Sie kämpfte sichtlich mit den Tränen, nickte dann aber tapfer: „Ja. Ihr habt Recht. Wo ist Euer Gasthof denn?“
Mit einer energischen Geste versuchte Edmund Chiswell, sich die Müdigkeit aus den Augen zu reiben. Wie viel Zeit hatte er nun beim Aktenstudium zugebracht? Er wusste es nicht. Da es bereits dunkel draußen war, mussten es viele Stunden gewesen sein. Er betrachtete den Teller mit Essensresten, den ihm irgendwann einmal im Laufe des Tages Daniel Straaten zugeschoben hatte. Gesottene Schweinsfüße, Brot und zwei Äpfel. Nunmehr waren nur die Knochen und die braun-fleckigen Apfelstrünke übrig. Er stand auf, massierte sich den schmerzenden Rücken und trat zum Fenster. Mit einem Stoß hatte er es geöffnet und atmete die feuchte Luft ein. Die Reste vom Teller warf er einfach hinaus auf die Straße, wo sich die Straßenköter und Ratten drüber hermachen würden.
Er hatte nicht unbedingt das Gefühl, in seiner Arbeit stark vorangekommen zu sein. Die meisten Delikte aus den unvollständigen und teils in haarsträubendem Englisch zusammengefassten Papieren waren natürlich Morde. Einer ließ den anderen wegen Grenzstreitigkeiten erschlagen oder es wurden wegen Unstimmigkeiten in der Erbfolge einfach unliebsame Verwandte aus dem Weg geräumt. Edmund wusste, das war täglich Brot, nichts Außergewöhnliches in diesen Zeiten. Wenn die Menschen nicht einen frühen Tod durch Krankheit und Seuchen fanden, dann gewiss durch Krieg, Mord und Totschlag.
Die meisten Fälle waren in sich klar und bedurften keiner erneuten Aufrollung. Es war nur wenig Interessantes dabei gewesen bislang. Kaum etwas, was seine Neugier hatte erwecken können, kaum etwas, was ihn hatte stutzig werden lassen. Sollte er tatsächlich der Experte für Strafdelikte bleiben in diesem königlichen Gremium, würde er sich wahrscheinlich schon innerhalb kürzester Zeit zu Tode langweilen.
Magdalyn, Tochter der verstorbenen Maria Hobbles, war etwas passiert, was ihr nicht hätte passieren dürfen: Sie hatte sich in einen Mann verliebt. Das wäre ja vielleicht noch angegangen, wenn der Mann ein Fischer oder Händler gewesen wäre. Das war er aber ganz offensichtlich nicht. Die Art, wie er sich ausgedrückt hatte, die Kleidung, wenn sie auch verdreckt gewesen war, und das Geld, das er ihr zugesteckt hatte, zeugten davon, dass es ein vornehmer, reicher Herr gewesen sein musste.
Und er hatte ihr ein Türchen geöffnet, indem er ihr ein Angebot unterbreitet hatte: Sie sollte das Bett mit ihm teilen gegen gute Bezahlung. Sie sollte sich also prostituieren. Magdalyn überlegte hin und her. Sie konnte dann ihre Arbeit in der Badeanstalt aufgeben und musste sich keine Gedanken darüber machen, dass sie dort auch anderen, weit weniger attraktiven Herren zu Diensten sein musste. Auch im Bad würde sie sich prostituieren, das also kam auf dasselbe heraus.
Wenn sie jedoch zu dem schönen, edlen Mann ginge und ihm zu Willen war, war das doch ein besserer Handel, oder etwa nicht? Andererseits – sie war jetzt schon verliebt in ihn und das konnte ja einfach nicht gut ausgehen. Mädchen wie sie zogen bei derlei Spielchen immer den Kürzeren und landeten letztendlich mit gebrochenem Herzen in der Gosse.
Und doch – der Gedanke, dass ein anderer, griesgrämiger, ungehobelter Kerl mit ihr das Gleiche anstellen würde wie dieser Fremde heute im Bad, ließ sie erschaudern. Es zogen immer wieder ganze Heere mit Soldaten und Söldnern durch die Stadt. Fischer legten an aus Ländern, die Magdalyn nicht einmal kannte. Und die wussten sicher alle sich bei einem jungen blonden Mädchen auszutoben. Sie wusste, ihre Entscheidung war gefallen! Nur ihr Herz, das durfte sie dem schönen, stattlichen Mann nicht präsentieren. Es wäre gewiss ihr Untergang.
Nachdem sich Edmund of Chiswell ein wenig draußen die Beine vertreten hatte, bog er um eine Ecke, um zum Gasthof zurückzukehren. Er stieß mit einer anderen Person zusammen, die sich Halt suchend an in klammerte. „Bei Gott, Frau, was tut Ihr so spät am Abend alleine auf der Straße? Wisst Ihr denn nicht, wie gefährlich das sein kann? Es lungern hier lauter Strolche und Taugenichtse herum, die Euch an den Beutel wollen oder auch Schlimmeres mit Euch im Sinn haben.“
Er war es! Magdalyn hätte die Stimme unter Tausenden wieder erkannt. Und die Größe kam auch hin. Es gab kaum Männer, die so groß wie er waren. Sie räusperte sich und schmiegte sich noch etwas vertrauter an ihn: „Mein Herr, dann solltet Ihr mich retten vor diesen Halunken.“ Edmund durchzuckte es. Das war ja die Kleine aus dem Bad! Ein netter Zufall oder eine geplante Aktion? Er würde es gleich herausfinden.
„Magdalyn“, der Klang seiner Stimme, als er ihren Namen nannte, ließ ihr mehrere Schauer den Rücken hinunter fahren, „wo hast du hingewollt?“ „Zu… zu… Schneidermeister Gillespie, Wäsche für das Bad abholen“, sprudelte sie rasch als Notlüge hervor. „Du lügst, Mädchen. Ich kam auf meinem Rundgang vorhin zufällig am Zunftschild von Meister Gillespie vorbei und sein Haus liegt in völlig entgegen gesetzter Richtung!“ „Seid Ihr ein Inspektor, oder so, mein Herr? Euch scheint ja nichts zu entgehen.“ „Kein Inspektor, aber etwas ähnliches. Also, wohin des Wegs, Maid?“ “Ich… ich… war auf dem Weg in Eure Herberge. Ein Badegast hat heute Morgen etwas vergessen und ich bin beauftragt, es ihm zu bringen.“ “Klingt schon besser, überhaupt wenn ich der Badegast bin und du das, was er im Bad vergessen hat. Ist dem so?“ Sie nickte nur stumm und hielt ihm ihr bleiches Antlitz im Mondlicht entgegen. Er schmunzelte ein wenig, drückte sie fest an sich und küsste sie kurz und zart, ohne in ihren Mund zu dringen.
Dann zog er sie an der Hand hinter sich her. „Mein Herr, wer seid Ihr denn nun?“ Er blieb stehen, drehte sich kurz um und antwortete lapidar: „Ich bin einer der Obersten Richter seiner Majestät.“ „Was?“ Ihr Ausruf war fast hysterisch und aufgeregt fuhr sie fort: „Ihr kennt unseren König? So richtig, von Angesicht zu Angesicht? Oh mein Gott, ich glaube, ich werde ohnmächtig. Und wie ist Euer Name, wenn ich so dreist sein darf zu fragen?“ Sie waren vor dem Gasthof angekommen, er zog sie in seine starken Arme: „Du darfst. Ich bin Edmund of Chiswell. Und ich hatte eine sehr kurze Audienz beim König gestern. Mehr brauchst du vorlautes, neugieriges Etwas nicht zu wissen.“ „Ihr seid ein Hoher Richter? Meiner Treu! Wendet Ihr auch die Folter an, um Gefangene gefügig zu machen?“ Edmund musste nun doch lachen, er schüttelte ein klein wenig seinen Kopf: „Normalerweise nicht, ich bin außerdem nicht der Folterknecht, meine Süße. Aber wenn du darauf bestehst, kann ich ja mal ein paar bitter-süße Folterpraktiken bei dir zur Anwendung bringen. Vielleicht gefällt dir das sogar!“
Sie betrachtete ihn mit weit aufgerissenen Augen und herunter geklappter Kinnlade. „Mädchen, mach’ den Mund zu! Auch wenn deine Zähne erstaunlicherweise nicht abgefault sind, so ist es eben doch kein schöner Anblick bei einer Frau. Hier ist meine Kammer!“ Er öffnete mit Schwung die Tür und sie standen beide Daniel Straaten gegenüber. Dieser blickte leicht irritiert von dem Mann zur Frau und wieder zurück.
Lord Chiswell stellte seinen Schüler mit einer leichten Handbewegung recht formlos vor: „Mein Schüler und derzeitiger Begleiter auf Reisen, Daniel Straaten.“ Sie vorzustellen, hielt er wohl nicht für notwendig, denn er fuhr an seinen Gehilfen gewandt unmittelbar fort: „Daniel, ich bin sicher, du hast bereits ein Ausweich-Nachtlager für dich gefunden, so wie ich dich kenne. Es sei denn…“, hier unterbrach er sich kurz und grinste sowohl Magdalyn als auch Daniel süffisant an, bevor er seinen Satz vollendete, „ihr beide seid einem Schäferstündchen zu dritt nicht abgeneigt.“
Straaten verzog keine Miene, als er seine lederne Tasche an den Gürtel schnallte und sich diskret und ohne weitere Worte zurückzog. Derlei Gelegenheiten kamen zwar nicht sonderlich oft vor, aber er hatte unterwegs mit Chiswell seine Lektionen bereits gelernt. Eine Spelunke am Hafen würde ihn für ein paar lumpige Münzen mit Sicherheit aufnehmen. Wie ein Schatten verschwand er in die dunkle Nacht.
Auch hier

_________________ No, I can't, really... (MMs Antwort auf eine "freche" Frage von mir...)
Zuletzt geändert von doris-anglophil am 25.12.2007, 00:42, insgesamt 1-mal geändert.
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