Wie versprochen, der letzte Teil meines London-Tagebuches, viel Spaß damit!
Teil fünf, Sonntag, 24. Juni 2007
Aber gegen acht (neun bei uns) bin ich wieder wach. Seine Nähe, seine Präsenz ist irritierend für mich. Ich betrachte mein Bettzeug und stelle verwirrt fest, dass es die gleiche Farbe wie sein Kapuzenpullover hat!!! *schock*
Während Annie noch pennt, packe ich schon einmal einige Sachen zusammen. Draußen regnet es. Blöd! Wo wir doch heute spazieren gehen wollten. Hoffentlich bessert sich das noch!
Die erste Tasse Tee trinke ich während ich wieder unter die altrosa-/burgunder-farbene Bettdecke krieche. Dann lese ich in aller Ruhe das Theaterstück von gestern durch. Es ist herrlich, bei jedem Wort, jedem Dialog von Clay daran denken zu können, wie er es gestern gespielt hat, wie er dabei ausgesehen hat, wie er die Stimme je nach Erfordernis gehoben oder gesenkt hat. Ich genieße jeden Satz doppelt.
Wer hat das jemals schon gehabt? Eine dreiviertel Meile entfernt von ihm in einem Bett zu liegen, seinen Stücktext auf dem Kopfkissen liegen haben, das genau die Farbe seines Kapuzensweaters aufweist… meine Güte, ich drehe hier gleich ab!
Als Annemarie aufwacht, fragen wir uns beide, was ER wohl gerade macht. Ob er wohl das Fotoalbum herzeigt? Ob er von den „verrückten“ Fans berichtet? Er wird sicher sehr in familiäre Dinge heute eingespannt sein. Und vielleicht auch einkaufen gehen müssen. Ja, das ist in UK sonntags gar kein Problem!
Oder er hat Bürodinge zu erledigen. Davon bleibt auch ein Star nicht verschont. Sich selbst zu verwalten, kann u.U. ein verdammt anstrengender Job sein!
Nach einem Marmeladentoast und einer Dusche besprechen wir den geplanten Tagesablauf. Leider kommen heute zu den U-Bahnarbeiten auch noch Probleme mit dem Vorstadtzug hinzu, so dass wir den ursprünglichen Plan, noch einmal in die Stadt zu fahren, leider aufgeben müssen.
Wir fahren mit dem Bus nach… nun ja,
dahin (!!!) eben. Man kommt auf der Busfahrt übrigens direkt am Haus vorbei *hüstel, hüstel*… Der Straßenname klingt übrigens sehr – romantisch!
Im betreffenden Ort steigen wir an der High Street (ja, so gut wie jeder Ort dort und jeder Stadtteil Londons = <Borough> hat seine „High Street“) aus. Wir überqueren die Straße und fallen bei Starbucks ein. Es ist bekannt, dass MM durchaus öfter mal dort hereinschaut.
Nun wissen wir auch, wo er den Muffin her hatte, den Ghost so faszinierend gefunden hat. Ich lasse mich auf einen Raspberry/Peach Muffin ein, und muss sagen (ich stehe sonst nicht auf Kuchen und derlei Dinge!) dass ich selten so einen irre guten Muffin gegessen habe. Mahlzeit Matthew!
Nach der kurzen Rast laufen wir die Wharf Lane hinunter zum Fluß. Ach ja, schön ist es hier! Wir laufen ein Stück Richtung Richmond, blicken aber oft über unsere Schultern zurück. Gegenüber des Ruderclubs macht Annie ein Bild von mir.
Eine Viertelmeile am rechten Flussufer entlang... *seufz* / Vor dem Ruderclub-Haus in T.
Dann gehen wir über die Water Lane wieder in den Ortskern zurück und steigen in einen Bus (diesmal
nicht am Haus vorbei, andere Strecke!), den wir an der Schleuse wieder verlassen. Dort betreten wir den Pub „Tide End Cottage“, um unseren Lunch einzunehmen, ohne den ich England nicht ums Verrecken (sorry!) verlassen hätte! Es ist ein Muss! In einem vernünftigen, gut geführten, familienbetriebenen Pub gibt es eigentlich nichts Besseres, als ein „Sunday Roast“.
Pub "Tide End Cottage"
Ich erkläre: Sunday Roast würde man in etwa gleichsetzen mit unserem Sonntagsbraten. Jedoch – es besteht in England stets aus den gleichen, ab und zu regional verschiedenen, Komponenten. Fleisch ist essentiell. Man lässt uns hier großzügig wählen zwischen Beef, Lamb, Turkey und Chicken. Dazu werden immer Kartoffel, Gemüse (meist Erbsen und Karotten), Yorkshire Pudding (nein, das ist
kein Nachtisch!) und Soße gereicht.
Wir entscheiden uns beide für den Lammbraten. Puh, MM ist noch immer verdammt nah, Eine gute Viertelmeile von hier, vielleicht ein klein wenig mehr. Ob die sonntags auch zum Essen irgendwo hingehen? Nicht dran denken, Doris, gaaaanz ruhig atmen! Bei der Vorstellung, mit dem nächsten Öffnen der Pubtür könnte er mit der gesamten Family eintreten, wird mir gerade ziemlich schwummerig.
Das Essen kommt und ich bin zum Glück etwas von meinen blöden Gedanken abgelenkt. Der Lunch sieht hervorragend aus, wenn es denn auch so schmeckt… Ich nehme den ersten Bissen und weiß – mein Tag ist gerettet! Juhu! Exzellent! Das Lamm ist weich wie Butter, der Yorkshire Pudding lacht mich an, das Gemüse ist nicht sonderlich matschig, wow!
Ich liebe England! Definitiv!
Nach dem üppigen Essen (ich habe es gerade so geschafft, aber für einen Nachtisch ist absolut kein Platz mehr) ist vollkommen klar, dass die Kalorien zumindest zum Teil wieder abtrainiert werden müssen. Da wir sowieso vorhatten, einen Sunday Walk zu unternehmen, setzen wir diesen Plan sogleich in die Tat um.
Direkt neben dem Pub geht die Fußgängerbrücke über die Themse, das große Wehr und die Schleuse sind sehr beeindruckend.
Auf dieser Brücke sind Szenen aus „Spooks“ gedreht worden (sagte ich schon, dass der gute Mann es liebt, nahe seinem Wohnort drehen zu können?) und ich habe die betreffenden Filmausschnitte genau in meinem Kopf, als ich direkt an Ort und Stelle stehe.


Auf der Fußgängerbrücke / Annie will auch, klar / und nun fixieren die Augen einen Punkt eine halbe Meile flußabwärts linke Seite...
Schaut man eine knappe halbe Meile flussabwärts, dann würde man – theoretisch… also mit einem guten Feldstecher… ich gehe lieber weiter. Auf der anderen Uferseite nehmen wir den kleinen Trampelpfad direkt in Ufernähe und machen uns auf die ca. drei Meilen Weg nach Kingston. Wir haben ein extremes Glück mit dem Wetter, es ist zwar meist bewölkt, aber es regnet nicht ein einziges Mal.
Es ist bekannt, dass Familie Macfadyen des Öfteren auch nach Kingston bummelt und dort shoppen geht! Entweder dorthin oder man sieht sie rund um die Oxford Street. Heute natürlich – kein Glück in der Hinsicht. Wäre sicher auch zu viel des Guten gewesen.
In Kingston herrscht gut Trubel, es ist ein herrliches Städtchen mit einer tollen Fußgängerzone mit Einzelhandel und einer sehr großen Shopping Mall. Wir hüpfen beim Body Shop rein, um meiner Tochter etwas mitzubringen, sowie gegenüber bei Thorntons (ach ja!), um für meinem DH ein Schächtelchen Pralinen zu erstehen.
Dann stehen wir vor einer weiteren Filmlocation, dem Superdrug-Geschäft, eine Drogeriemarkt-Kette ähnlich unserem Rossmann, oder dergleichen.


Marktplatz von Kingston / Vor der Chocolaterie "Thorntons" / Der Drogeriemarkt aus "Secret Life"
Dort wurde im letzten Herbst eine Sequenz von „Secret Life“ gedreht. Charlie Webb (MM) ist in diesem Laden und sieht durch die Regalreihen zwei Mädchen in Schuluniform, dabei gerät er seiner Veranlagung wegen in höllische Bedrängnis und flüchtet panisch (quasi vor sich selbst!) aus dem Geschäft!
Genau da stehen wir nun auf der Straße.
Es wird allerdings Zeit, dass wir uns zur Bushaltestelle begeben und zurück nach Hampton Hill fahren. Es soll noch Zeit für eine Tasse Tee sein, bevor ich den Koffer endgültig zumache und Annie mich nach Heathrow karren wird.
Unterwegs fängt es prompt an zu regnen. Hatten wir ein Riesenglück!
Es hört nicht mehr auf, Dauerregen ist angesagt. Gegen 17.30 Uhr brechen wir auf. Ich bitte Annie, an der St. James Kirche anzuhalten, damit ich auch davon ein Bild machen kann. Ich erwähnte bereits in den Aufzeichnungen von Freitag, dass dort die Aufnahmen von Mr. Beans Wedding für den Rednose Day entstanden sind. Ich mache rasch ein Bild aus dem stehenden Auto heraus, für in die Kirche hinein zu gehen, ist leider keine Zeit mehr.
Die "Hochzeitskirche von Daniel und Kate" ("Mr. Beans Wedding" zum Rednose Day2007)
Wie schon am Freitag kommt man unweigerlich am Supermarkt Sainsburys an der Uxbridge Road vorbei, auch da – Erinnerungen an MM, der dort beim Einkaufen gesichtet worden war.
Ich weiß, dass unglaubliche Dinge hinter mir liegen. Ich bin dennoch nicht traurig, dass ich zurück muss. Es ist eben, wie es ist.
Aber ich nehme so tolle Erinnerungen, so irre Erlebnisse mit nach Hause, das ist schon etwas Einmaliges.
Gegen 18 Uhr schmeißt Annemarie mich am Terminal 1 in Heathrow raus. Eine herzliche Verabschiedung, eine so liebe und warmherzige Gastgeberin, super! Ich möchte unbedingt, dass Annie (und dann natürlich auch ihr Mann Steve) einmal nach Deutschland kommen.
Der Check-In geht diesmal einwandfrei und sehr schnell vonstatten, fast nicht zu glauben. Da kommt doch bestimmt noch das dicke Ende, oder? Ich haue meine letzten Pfundmünzen auf den Kopf und lese im „Independent“ (MMs Lieblingszeitung) die Kritik von „TP&TI“. Die steht erst heute, in der Sonntagsausgabe drinnen.
Dann ein Blick auf die Anzeigetafel – Klasse! Wusst’ ich’s doch! Wenn ich fliege, geht garantiert nahezu alles schief! Der Flug hat schon von vorneherein laut Display eine Stunde Verspätung. Schmerzlichen Glückstrumpf, liebe Doris!
Ich telefoniere mit zu Hause, mache meinem DH die Situation klar. Der ist angenervt. Na ja, was soll ich dann erst sagen?

Verspätung, so, so... / BA 0916 LHR-FRA
Also, die ganze Wahrheit rücken die bei BA auch nicht gleich raus. Um 21.12 Uhr (sollte der um eine Stunde verspätete Abflug sein), beginnt erst das Boarding! Das gibt doch gleich mal wieder zwei Stunden Verspätung. Wegen eines Ölunfalls war eine Startbahn in Heathrow für mehr als zwei Stunden gesperrt, daher die massiven Verspätungen bei fast allen Flügen. Zusätzlich macht nun das schlechte Wetter die Verkehrsbewegungen langsamer als üblich. Die Slots müssen deswegen verlängert werden… alles kumuliert, aus Minuten werden dann irgendwann Stunden.
Mit Zeitverschiebung ist es (planmäßig war 22.50 Uhr!) 0.40 Uhr als der Pilot in Frankfurt aufsetzt. Und wieder frage ich mich, wo die BA-Piloten ihre Fluglizenz herkriegen, wie bereits beim Hinflug holpert auch der ziemlich böse rum, als würde er auf einem Rübenacker landen. Schlange an der Passkontrolle. Meine Güte, was muss man mitten in der Nacht bei einem Flieger der aus einem EU-Land kommt derart genau die Ausweise checken?
Gepäckband, wenigstens weiß man hier in Frankfurt gleich, wo man da hinzugehen hat. Die Koffer trudeln ein, nur meiner ist nicht dabei *panik*. DA ist das Textbuch mit MMs Autogramm drin *kreisch*!
Als einer der letzten Gepäckstücke hoppelt endlich mein Köfferchen aufs Band.
Raus, raus, raus!
Die Family ist genervt, ich mittlerweile auch. Aber wissen wollen sie alle sofort, welche Dinge sich ereignet haben. Ich zeige ein paar Bilder aus der Digicam, die Fahrt nach Hause dauert ja nur knapp fünfzehn Minuten. Alle fallen wir todmüde in die Betten. Erzählt und aufgearbeitet wird später!
Dass die Aufarbeitung mehrere Tage in Anspruch nehmen wird und ich vor allen Dingen am zweiten Tag nach der Landung emotional völlig mitgenommen bin, hätte ich allerdings nicht gedacht.
Und noch immer ist dieser Prozess nicht ganz abgeschlossen.
Der Sommer, in welchem ich MM traf ist zwar für mich vorbei und Geschichte. Aber – es gibt auch eine Zukunft… und da kann sich durchaus noch einiges tun!