Ist ja lustig, ist man einen Abend nicht da, da wird man schon gleich vermisst.
Habe mir dieses Mal leider auch wenige Notizen gemacht, aber ich muss sagen, ab da fühlte ich dann - ich glaube sogar beim ersten Mal Lesen sehr stark mit Margaret. Der Vater hat dem Glauben entsagt und plötzlich muss sie von Zuhause weg und auch noch alles selbst organisieren.
Mich haben die Eltern auch wahnsinnig genervt, wie die arme Margaret die einzig Erwachsene da ist und sich um alles sorgen muss, ist ja echt schlimm, aber was mich auch sehr interessiert hat, war daneben die Glaubenskrise des Vaters: Was bewirkt es genau? Wieso überhaupt hört er mit seinem Dienst auf?
Das Stichwort über den Unitarismus hört sich interessant an. ich selbst hatte mir das mehr so erklärt, dass es weniger Zweifel an der Kirche und an dem Glauben waren, die Mr. Hale hatte, sondern Zweifel an seiner Berufung und seinem Dienst. Er spricht ja immer wieder davon, dass er weiterglaubt, aber dass er sündigen würde, würde er weiter lehren. Er kann sich selbst nicht mehr als Bote Gottes identifizieren, kann nicht mehr lehren, woran er selbst zwar nicht nicht glaubt, worauf er aber auch nicht mehr hundertprozentig vertrauen kann. So habe ich das selbst immer verstanden, dass er einfach die Kraft Hirte zu sein verloren hat, dass er eine Auszeit braucht. Obwohl man es nach den vielen Hinweisen auf die Unitaristen auch so verstehen könnte, dass es hierum geht und Elizabeth Gaskell hiermit ein Beispiel dafür geben möchte. Was daran aber verwunderlich wäre, dass gerade Margaret, die der Kirche und dem Glauben treu bleibt, die erklärte Heldin und ihr Vater, der Zweifler, eher schwach daneben steht. Naja, soweit dazu.
Damit wären wir bei der nächsten Sache, die mir auffiel: Für Margaret als frommes Mädchen muss es ja voll schwierig sein damit umzugehen, dass sie nicht nur wegziehen, sondern auch noch in solcher Schande wegziehen. Man merkt richtig, wie unverständlich sie auf die Zweifel ihres Vaters reagiert und ihn nicht verstehen kann. Wie sie die ganze Sache trifft und wie sie doch nicht wagt ihrem Vater Vorwürfe zu machen. Allgemein muss ich sagen, finde ich es bewunderswert, wie sie mit ihren Eltern umgeht. Zwar würde ich sagen, dass sie ihnen manchmal zuviel Respekt zollt und sich zu sehr von ihnen vereinnahmen lässt, aber dass sie dabei so ruhig bleibt, ihren Eltern so gar nicht übel nimmt, dass sie sie so ausnutzen, finde ich sehr krass und irgendwie auch ein tolles Charaktermerkmal an ihr. Ich hätte sicher zickig reagiert in einer solchen Situation.Noch was, was mir aufgefallen ist, ist, wie gut es Margaret gelingt ihren Schmerz zu verbergen, sie ist so unheimlich erwachsen hier, das ist so unverständlich für mich, die ich ja noch etwas älter bin als sie und mir nicht vorstellen könnte in einer solchen Situation so ruhig zu bleiben. Da werde ich richtiggehend neidisch, wie gut sie sich unter Kontrolle hat und das nicht nur jetzt, sondern auch noch später. Ist euch das auch aufgefallen?
Und noch was: Als sie dann vor ihrem Vater weint, weint sie nicht um sich, sondern um das kleine Mädchen, das nun vergeblich auf sie warten wird. Die Szene finde ich so toll und so traurig. Schnief!!!!
Muss übrigens zugeben, dass mich dieser Teil der Story immer sehr anrührt, weil ich mich hier so gut in Margaret reinfühlen kann, wenn sie davon spricht das schöne grüne Helstone zu verlassen.
