Achja, ihr hackt mal wieder alle auf der armen Margaret herum, was?

Na dann ist ja gut, dass ich nun auch was dazu sage.
Ich finde sie klasse. Sie kommt zwar an manchen Stellen etwas unsympathisch rüber, aber auch JT finde ich hier net nur sympathisch mit seinen Bemerkungen über den Norden und seine Arbeiter.
Und nachdem Margaret den ganzen Tag gewaschen und gebügelt hat, damit Mr. Thornton kommen kann, finde ich das nicht unbedingt verwunderlich, dass sie Mr. Thornton nicht mit offenen Armen empfängt. Wieder mal macht ihr dieser Mann nur Arbeit, aber auch wenn er sehr ungelegen kommt und sie wegen ihm superviel Arbeit hatte, ist sie höflich und sorgt dafür, dass er z.B immer genug Tee in seiner Tasse hat. Sie macht es zwar eher unwillig, sieht aber immer sofort, wenn sie ihm wieder einschenken muss. Ich denke, das zeigt sehr deutlich, dass sie eine gute Gastgeberin ist, auch wenn sie ihm gegenüber eher stolz rüberkommt.
Auch wird mehrmals geschrieben, dass die Kopfschmerzen hat. Da wäre wohl niemand sehr nett und viele Leute würden sich trotz Gästen einfach zurückziehen, aber sie sorgt dafür, dass immer für alles gesorgt wird, was eigentlich Aufgabe ihrer Mutter wäre und nicht ihre. Ich finde es somit eher bewundernswert wie gut sie sich hält, obwohl sie ziemlich erschöpft und genervt sein muss. Und die Worte, die sie nachher in der Diskussion zu Mr. Thornton sagt, fand ich alle sehr nachvollziehbar und das meiste hätte ich - wäre ich an ihrer Stelle gewesen - auch angemerkt. Sie sieht nämlich im Gegensatz zu ihm die Probleme der Arbeiter im Norden, wo er nur sieht, wieviel Erfolg er mit seiner Mill hat. Ich finde, er ist da schon etwas blind für, welche Probleme das System hat, in dem er aufgewachsen ist, lebt und arbeitet
Achja, habt ihr eigentlich gelesen, wie süß er beschrieben wird mit seinen durchdringenden Augen. Wow, das zog mir fast die Schuhe aus und dann wie sein Lächeln mit dem eines Kindes verglichen wird und Margaret nicht umhin kann es attraktiv zu finden. Da fliegen ja wohl die Funken. :love:
Und es steht ja sogar explizit da, dass sie sich angezogen fühlen. Vielleicht hätte Margaret Mr. Thornton sogar gut leiden können, wenn der Arme net den Mund aufgemacht hätte. Aber so leid es einem irgendwie tut, er bringt doch wohl einfach die völlig falsche Worte aus seinem Mund. Da hat er eine Familie vor sich, die gerade aus dem Süden nach Milton gezogen ist und er sagt gleich was gegen den Süden. Na bravo! Das war nun wohl ein ziemlich großes Fettnäpfchen.
Dass Margaret daraufhin ihren Süden verteidigt, ist ja wohl abzusehen und zudem völlig verständlich. Und dann kommt diese Diskussion, in der ich eigentlich noch nichts Arrogantes auf beiden Seiten sehen kann oder Abneigung oder so. Jeder tut nur seine eigene Meinung kund und die sind nun mal sehr unterschiedlich. Margaret, die den Norden gerade erst kennen gelernt hat und nicht sonderlich schätzt, verteidigt ihren teuren Süden und JT spricht so voller Stolz über Milton, dass es einem schon fast hochkommen kann.
Ich meine ganz ehrlich: Wenn Margaret Vorurteile über den Norden hat, dann hat er welche über den Süden. Er tut ja so, als wären im Süden alle Menschen faul und arbeitscheu. Sein Eifer und seine Meinung, dass man es mit Fleiß zu was bringt, ist zwar sehr löblich, aber andererseits setzt er damit alle Leute, die es vielleicht trotz Fleiß nicht so weit gebracht haben wie er herab. Er ist stolz auf seinen Aufstieg und das kann ich nur verstehen, aber dass er von "poorness of characters" bei den Ärmeren spricht, finde ich schon ein starkes Stück. Das ist schon fast sozialdarwinistisch zu nennen.
Dass Margaret, die selbst nach dem Prinzip der christlichen Nächstenliebe erzogen wurde, das widerstrebt, kann ich nur verstehen.
Und im Buch ist es auch ganz deutlich, dass sie ihm nicht bewusst die Hand nicht reicht, sondern dass sie seine Absicht einfach verkennt. Sie wünscht sich sogar nachher es doch bemerkt zu haben, um darauf zu reagieren. Sie grollt ihm also nicht wirklich, während er sie als stolzes, arrogantes Mädel einschätzt.
Tja, wie gesagt, das ist jetzt alles etwas aus Margarets Sicht heraus gesehen, aber ich denke nicht, dass sie ihn hier schon verachtet trotz ihrer arroganten Bemerkung über "tradesman". Hier prallen einfach zwei völlig verschiedene Lebens- und Denkweisen aufeinander und derjenige von beiden, der hier die Dinge persönlich nimmt, ist der in seinem Stolz verletzte JT und nicht Margaret.
Nun aber noch was zu der Episode mit der Mutter. Die fand ich irgendwie gleich unsympathisch im Gegensatz zu euch. So wie die tut als ob ihr Junge der beste Mann auf der ganzen Welt ist. Ist er zwar irgendwie schon :winK:, aber diese stolze Arroganz von ihr nervt mich persönlich ziemlich. Und wie sie dann sagt, er solle aufpassen sich nicht von einem armen Mädchen einfangen zu lassen, da musste ich schon schmunzeln in Bezug auf das Buchende.
Übrigens die Szene mit dem Armband ist einfach spitze. Das habe ich immer bildlich vor mir irgendwie. :schmacht: