Jaja, ihr mit eurem JT, kaum taucht er auf, ist die arme Margaret nur noch eine dumme Pute.
Naja, okay, das nehmen wir jetzt mal nicht übel, dass ihr da etwas voreingenommen seid. Es ist lustig, einerseits verstehe ich euch voll, andererseits auch wieder net. Ich finde, viel liegt bei JT und Margaret schon an der ersten Begegnung. Margaret kommt zurück, müde, fertig und muss dann auch noch einen plötzlichen Besucher unterhalten, den sie noch nicht einmal kennt und wie das Gespräch so beschrieben ist, läuft das Ganze eher unangenehm. Keiner weiß so richtig, was er sagen soll und der Gesprächsstoff nimmt immer mehr ab, schwierige Situation und Margaret wird wohl ziemlich müde und genervt gewesen sein. Sie lässt es sich nicht anmerken, außer dass sie kühl zu John Thornton ist, der wiederum vom ersten Moment an total von ihr fasziniert ist und jeder Leser merkt sofort, dass sich da was anbahnt, und einfach seinen Mund nicht aufbekommt. Ich glaube diese erste unangenehme Begegnung sorgt stark dafür, dass Margaret ihn nicht leiden mag. Und natürlich hält sie ihn noch unter ihrer Würde, aber so wie er beschrieben wird, ist er zwar gutaussehend, aber weder von Auftreten noch vom Äußerlichen mit den Gentlemen zu vergleichen, die sie so kennt. Er ist denke ich wirklich etwas "rough" und das merkt sie sofort und er stört sie und sie muss dennoch höflich sein. Dass sie ihn da net super leiden mag, kann ich nur voll und ganz nachvollziehen, auch wenn ich genauso mit JT fühle, der sich wie ihr so schön sagt gleich wie ein Looser fühlt und nicht umhin kommt Margaret aufgrund ihrer Ausstrahlung und ihrer Schönheit zu bewundern. Es ist für beide eben eine unangenehme Lage und ich denke, diese Anfangsbegegnung legt viel fest von dem, wie sie nachher zueiander stehen.
Nun zu Higgins und Bezzy: Das habe ich nun nie so gesehen, ich fand es eher eine sehr rührende Szene, die ich aber niemals zweideutig interpretiert hätte. Und lustig ist auch, wie beide gleich den anderen etwas vor den Kopf stoßen, weil sie mit den Sitten und Gebräuchen des jeweils anderen nicht vertraut sind, aber ich muss sagen, die ganze Szene ist viel weniger förmlich als die begrüßung zwischen JT und Margaret. Vielleicht war es auch etwas diese von der Gesellschaft aufgezwungene Förmlichkeit, die es nicht erlaubte, offen zu sein und zu merken, wie unterschiedlich man aufgewachsen ist, die sie so entfremdet von Anfang an. Mit Higgins kann Margaret, weil er eben deutlicher unter ihr steht als Mr. Thornton mehr sie selbst sein, denke ich. Da kann sie etwas Gutes tun, sie scheint es übrigens wichtig zu finden immer anderen zu helfen. Sie hat sozusagen ein "Helfersyndrom". Mr. Thornton braucht keine Hilfe von ihr, er steht weit genug unter ihr nach ihren Maßstäben, um ihn nicht als geeignete Gesellschaft zu sehen, und ist ihr andererseits in der finanziellen Lage überlegen. Das zu akzeptieren ist sicher nicht einfach. Sie sieht ihn zwar nie so, als würde er über ihr stehen, selbst in diesem Bereich, aber es ist so und ich bin relativ sicher, das nimmt sie auch wahr. Und die Freundschaft zwischen Mr. Thornton und Mr. Hale fördert sie eher als ihre Mutter, auch wenn sie Mr. Thornton nun net so sehr leiden mag.
Außerdem ist Higgins selbst eine ganz andere Persönlichkeit als Mr. Thornton, er hat Menschenkenntnis und ist um einiges offener in seiner Art. Er sieht Margarets Stolz zwar, kann aber noch mehr ihr gutes Herz erkennen. Er sieht sofort, dass Margarets Stolz nicht von Verachtung gegenüber ihm oder seiner Tochter kommt, sondern einfach durch ihre Erziehung. Und er sieht vor allem, dass sie ihnen beides Gutes will.
Mr. Thornton hingegen fühlt sich sofort von Margaret verachtet. Verachtet sie ihn hier aber wirklich? Ich denke nein, sie fühlt sich vielleicht unwohl in seiner Gegenwart, kann ihn nicht wirklich leiden, aber dieses Gefühl geringer zu sein, ist zu einem großen Teil auch etwas, was Mr. Thornton sich einredet, denke ich. Nachher, ja nachher hat sie eine Abneigung gegen ihn, verachtet ihn vielleicht auch in der einen oder anderen Szene, aber diese grundsätzliche Verachtung, die JT hier annimmt, hat sie meines Erachtens nicht. Sie blickt auf ihn herab, ja, das stimmt sicherlich in gewisser Weise, aber wohl auch mehr, weil sie seine Stellung nicht wirklich versteht und ihn für einen gewöhnlichen "trádesman" hält, aber dass sie ihn sofort verurteilen und verachten würde, sowie es JT hier empfindet, trifft sicher nicht zu.
Die Wandlung Margarets im Umgang mit den Arbeitern fand ich übrigens auch ganz toll, hier wird meines Erachtens deutlich, wie sie sich so langsam Stück für Stück an ihre fremde Umwelt gewöhnt, wie sie beoabachtet und langsam beginnt die Menschen dort zu verstehen, auch wenn sie bis zum Ende des Buches braucht, um es echt zu tun.
Achja, das mit dem dunklen Rauch kann ich mir gut vorstellen. Es ist sicherlich nicht frei erfunden. Elizabeth Gaskell kam nämlich selbst aus einer "factorytown", nämlich aus Manchester. Und ich habe, soweit ich weiß, auch schon an anderer Stelle von solchen dunklen Rauchschwaden gehört, die es bis ins 20. Jahrhundert auch in den Ruhrpottstädten gegeben haben soll. Appropos wir hatten in Witten eine Fabrik, da wurde ab einer bestimmten Abendzeit der Himmel, wenn da viele Wolken hangen, an einer bestimmten Stelle der Stadt orange-rot und zwar nicht vom Sonnenuntergang.
